TheUjulala

Tiefgreifendes Thema in einer sehr einfühlsamen Geschichte, ehrlich und berührend.

Splitterleben - Jenna Strack
Cover:
David Tondl zeichnet sich für das Cover verantwortlich und präsentiert ein märchenhaftes Bild in einem sattem Blau. Ein wie im Wind tanzendes Mädchen schwebt vor einem blauen Himmel und Sterne glitzern am Firmament. Der Titel ist mittig in einer Bandzug-Schrift gehalten. Der Clou sind die Splitter, die vor allem von der rechten oberen Ecke sich über das Cover erstrecken und an einem gesprungenen Spiegel erinnern. Die ganze Kombination ist harmonisch und für mich sehr schön. Hat eher etwas aus dem Bereich Fantasy, das könnte einige Leser, die nach Covern ihre Bücher aussuchen vielleicht etwas verwirrend sein.
 
Handlung:
Die 17 jährige Mia lebt für ihren Sport, zu dem sie ihre erste große Schwärmerei Tobi gebracht hat. Sie ist die große Hoffnung und trainiert hart für ihren großen Traum, von ihrem Schwarm endlich ernst genommen und geliebt zu werden. Nach der gewonnen Qualifikation zu Deutschen Meisterschafft beginnt Tobi sich endlich für sie zu interessieren, doch bei einer Party bricht Mia quasi in seinen Armen zusammen. Durch die Diagnose einer seltenen und unheilbaren Krankheit, zerspringt ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes in viele kleine Splitter. Alles, wofür sie gekämpft und geträumt hat liegt wie ein Scherbenhaufen vor ihr. 
 
Buchlayout (eBook)
Die inhaltliche Gestaltung ist für ein eBook sehr ansprechend und hochwertig. Jedes Kapitel wird mit einem Song aus Mias Playlist im Untertitel begleitet. Die Kapitel selber tragen keine Ordnungsnummer sondern die Anzahl der Tage von Mias „zersplitterten Lebens“. Daneben rundet die Illustration eines indianischen Traumfänger die Kapiteleinleitung ab.
 
Idee / Plot
Was ist, wenn jemand unheilbar Krank ist, und unter qualvollen Schmerzen leidet, aber Du siehst es der Person nicht an? Sie ist nicht abgemagert wie zum Beispiel Krebspatienten kurz vor dem Tode, und hat sonst keinen körperlichen Makel wie zum Beispiel ein amputiertes Bein? Und doch lungert diese Person Tag ein Tag aus nur zu Hause rum und jammert bei jedem Schrittchen die sie schon alleine auf dem täglichen Gang zur Toilette macht? 
 
Hier wird ein ganz schwieriges und wichtiges Thema behandelt, welches Jenna Strack auf eine sehr feinfühlige und sanfte Art in einem Roman gepackt hat. Es gibt sie, die Patienten, die an einer schweren Krankheit leiden. Die vielleicht mit sich und ihrer Krankheit inzwischen im Reinen sind, aber der eigentliche Kampf vor der Haustüre stattfindet: Das Unverständnis und die Intoleranz der Umwelt, Freunde und Nachbarn. So lange man eine Krankheit nicht sieht, existiert sie nicht. 
 
"So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass das Anstrengendste am Lupus nicht der Kampf des eigenen Körpers gegen sich selbst ist, sondern der Kampf gegen das fehlende Verständnis der anderen.“
 
Jenna Strack: „Splitterleben“, Pos. 1299 eBook (kindle Edition, 2017)
 
Dieses Buch war für die Autorin Jenna Strack ein Herzensprojekt, erzählt anhand eines jungen Mädchens, das auf dem Weg war ihre Träume zu verwirklichen und ihre Anerkennung über sportliche Erfolge definiert hat. Und dabei verlernt hat, wahre Freunde und wahre Bedürfnisse zu erkennen. Eine wunderbare Geschichte, die mir unter die Haut gegangen ist. Sie ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Toleranz und Öffnung des eigenen Horizonts.  
 
 
Emotionen / Protagonisten
Mia ist ein sehr ehrgeiziges 17 jähriges Mädchen, das aber im Grunde schüchtern und unsicher ist. Sie trainiert hart und fiebert jedem Erfolg entgegen mit der Illusion damit näher an ihren Schwarm Tobi heranzukommen. Einerseits kann ich mich sehr gut in Mia hineinversetzen, ihre Verbissenheit ist aber manchmal schon sehr stoisch. Es ist ein langer Prozess, in dem sie begreifen muss, was wirklich mit ihr passiert. Ich fand sie einen tollen Charakter, der sehr willensstark war, aber auch manchmal etwas verbohrt. Sie erkennt erst spät, was wirklich wichtig im Leben ist:
 
"Ich hätte laufen sollen, um zu leben, und nicht leben, um zu laufen.“ 
Jenna Strack: „Splitterleben“, Pos. 49 eBook (kindle Edition, 2017)
 
Tobi, Nele und Tessa sind Mias Laufkameraden und ihre enge Freundschaft verbindet das harte Training und die Erfolge bei den Wettkämpfen. Tobi ist älter und studiert schon, ist aber extrem ehrgeizig auf seine Erfolge fokussiert. Er findet Mia auch erst wirklich interessant, als sie die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft schafft. Aber Mia ist so sehr in Tobi verliebt, dass sie seine Selbstverliebtheit akzeptiert. Er bleibt sehr arrogant und überheblich, vor allem nachdem Mia ihre Diagnose erhalten hat. Nele und Tessa versuchen zumindest Mia zu verstehen, begreifen aber nicht, was die Krankheit wirklich bedeutet:
 
"Meinst du nicht, dass du dir deine ›Krankheit‹ mittlerweile nur noch einbildest? Schon klar, es ist toll, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen.“
 
Jenna Strack: „Splitterleben“, Pos. 103 eBook (kindle Edition, 2017)
 
In der Reha lernt Mia die resolute und toughe Anh kennen, die ich gleich in mein Herz geschlossen habe. Da sie schon lange mit der gleichen Krankheit kämpfen musste, findet Mia in Anh endlich die Freundin, die sie ohne große Erklärungen versteht. Mia ist herrlich frisch und kann auch recht sarkastisch sein und hat in dem Buch und in Mias Leben doch noch eine humorvolle Seite hineingebracht:
 
»Nein, ich wohne nur hier, weil meine Eltern sich die Studiengebühren für Hogwarts nicht leisten können«
 
Jenna Strack, „Splitterleben“, Pos. 2125 eBook (kindle Edition, 2017)
 
Die Mutter und der Bruder werden wenig erwähnt, obwohl das kindliche Unverständnis eines 10 Jährigen, warum die große Schwester nicht zur Schule muss, gut hervor kommt. Der Vater wird nur ganz am Anfang angedeutet, auch das angespannte Verhältnis zwischen Mia und ihm. Aber ich vermisse da das Familiengeflecht, und die Wandlung der Beziehungen innerhalb der Familie. Das kommt mir tatsächlich leider zu kurz und macht die Geschichte um die Person Mia nicht ganz rund. 
 
Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Dieses tiefgründige Thema bedarf keine große Spannungsbogen und Showdowns. Es ist eine sanft erzählte Geschichte, die in sehr einfühlsame Art und Weise den Werdegang von Mia und ihrer Krankheit zeigt. Auch wenn im Grunde die Handlung vorhersehbar ist, ist man von Mias verzweifelten Kampf um Anerkennung gefesselt. Anerkennung zunächst im Sport und in der Liebe, aber dann um die eigene Akzpetanz ihrer Krankheit und bei ihren Freunden. In der Mitte zieht es sich für mich ein bisschen und wir lesen sehr viele Wiederholungen über ihren Selbstmitleid und ihrer Wut über das Nichterkennen ihrer Krankheit. Zum Ende hin hat es mich doch noch mal sehr ergriffen und zeigt vor allem, dass es in diesem Buch nicht um die Lovestory, oder um den Krankheitsverlauf geht, sondern um die Intoleranz der Mitmenschen. Und dass man manchmal von seinem angestrebten Weg abkommen muss um sein Ziel zu erreichen.
 
Szenerie / Setting
Die Umgebung beschreibt Jenna Strack unglaublich bildhaft und ausschmückend, aber genau passend ohne überschwänglich zu werden. Ich konnte mir die einzelnen Szenen sehr gut vorstellen und mich in Mia prima einfühlen. Es passt auch gut, dass Mia vor ihrer Diagnose Leistungssport betreibt, so wird die innere Dramatik klar und deutlich hervorgehoben. Es ist ein harter Lernprozess für Mia, nicht mehr an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen zu können und sogar nie wieder auf den Leistungsstand zu kommen, den sie noch die Wochen vorher hatte:
 
"»Weil das die Vergangenheitsform ist. Ich mache Leistungssport. Wenn das hier vorbei ist, dann gehe ich wieder auf die Bahn. Dann mache ich da weiter, wo ich aufgehört habe.«“
 
Jenna Strack: „Splitterleben“, Pos. 131, eBook (kindle Edition, 2017)
 
Sprache / Schreibstil
Jenna Strack erzählt uns die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Mias Sicht im Stil eines Tagebuches. Das gewählte Tempi des Präsens lässt uns direkt die Gefühle und Gedanken miterleben und hervorragend mitfühlen. Das ganze Buch ist flott gelesen, und zieht einen schnell in den Bann. 
 
Die Sprache ist unglaublich bildhaft, metaphernreich und die Autorin flechtet gekonnt sehr eingehende Weisheiten ein, die aber nicht belehrend wirken, sondern noch lange nachhängen.
 
So beschreibt sie sehr schön bildhaft, wie der Physiotherapeut in der Reha ihr im Gespräch erklärt, dass es sinnlos ist sein Ziele und Träume unbarmherzig zu erzwingen. Damit spielt er auf Mias eigene Nicht-Akzeptanz ihrer Krankheit an.
 
"Es kommt vor, dass man zielstrebig auf eine Tür zu rennt und einem erst klar wird, dass es die falsche ist, wenn man den Türknauf herunterdrückt und sie verschlossen ist. Man darf eine Tür nicht gewaltsam aufbrechen, nur weil man ursprünglich geplant hatte, hindurch zu gehen.“
 
Jenna Strack: „Splitterleben“ Pos. 127 eBook (kindle Edition, 2017) 
 
Fazit
 
Ohne erhobenen Zeigefinger aber ergreifend, ehrlich und direkt. Ein paar kleinere Schwächen, habe es aber gerne gelesen und kann es uneingeschränkt empfehlen kann. 
 
 

Eine tolle Idee die aber ihr Potenzial verschenkt hat, das "Gewisse Etwas" hat mir einfach gefehlt.

Stormheart. Die Rebellin: Band 1 - Cora Carmack, Carolin Liepins, Birgit Salzmann, Alexandra Rak
Die Leseprobe dieses Romans auf Vorablesen.de hatte mich zunächst wirklich überrascht und magisch angezogen. Um so erfreuter war ich, dass ich für dieses Buch bei Vorablesen.de aus dem Lostopf gezogen wurde. Vielen Dank noch mal für die tolle Möglichkeit, dieses Buch lesen und rezensieren zu dürfen!
 
Cover:
Von Carolin Liepins kenne ich vor allem die Gestaltungen für Marah Woolfs Bücher, die eher illustrativer Natur sind und ich persönlich sehr schön finde. Hier sehen wir das Foto-Porträt der Sturmprinzessin, das mit der Edelsteinkrone und einem Umhang bestückt ist. Und wenn man genau hinsieht, sieht man auch das Photo-Composing der einzelnen Bilder. Das stört mich nicht so sehr. Was ich aber ein bisschen komisch finde, sind die "fliegenden Haare", die hinter der Prinzessin "zu Berge" stehen. Auch die kleinen Edelsteine an der Augenbraue entlang finde ich etwas merkwürdig. Ich bin von dem Cover nicht ganz überzeugt, zumal ich Gesichter auf Cover auch immer etwas problematisch finde.
 
Handlung:
Die Sturmlingsprinzessin Aurora wird ohne Sturmmagie geboren und kann ihr Volk Pavan nicht vor den zerstörerischen Stürmen schützen. Um das Gesicht und den Thron zu wahren, gaukelt die Mutter ihrem Volk seit Auroras Geburt vor, sie hätte eine sehr starke Magie. Der einzige Ausweg aus dem Lügenkonstrukt scheint die Vermählung mit dem Sturmprinzen aus dem mächtigen Reich Lock zu sein. Aurora flüchtet aber kurz vor ihrer Hochzeit in das Wildland und trifft dort auf Sturmjäger, die ihr eine vollkommen andere Sicht auf die Dinge vermitteln. Sie begreift, dass ihr bisheriges Leben nicht nur aus einer Lüge bestand und fasst den Entschluss sich die Magie anzueignen, um ihr Volk später als würdige Sturmlings-Königin beschützen zu können. 
 
Buchlayout / Haptik:
Das gesamte Buchlayout ist durchdacht und einheitlich konzipiert. Eine geschnörkelte aber symmetrische Linie ziert zum einen das Cover, das Titelblatt und visualisiert innerhalb von Kapiteln einzelne Sinnabschnitte und Perspektivenwechsel. Kleine Textpassagen führen jedes Kapitel an, wobei sich mir der Zusammenhäng aus dem Inhalt dieser Texte mit dem Geschehen im Kapitel nicht ganz erschließt. Insgesamt erscheint das Buch hochwertig und mit seinen 464 Seiten doch recht dick. Mir hat die Ausführung gut gefallen.
 
Idee / Plot:
Eine fantastische Welt, in der Stürme und Naturgewalten nicht nur reine Erscheinungen und naturgegeben sind, sondern ein Herz und vielleicht auch einen eigenen Willen besitzen, hat mir sehr gut gefallen. Die bis zur Vermählung von der Außenwelt abgeschottete Aurora muss erst ihre Heimat verlassen um einen eigenen Blickwinkel auf die Stürme und Zusammenhänge zu erfassen. Und lernt dabei den von sich überzeugten Sturmjäger Lock kennen. Aurora ist gefangen zwischen ungewohnten Gefühlen und der Verzweiflung keine gute Thronerbin für ihr Volk sein zu können. Ein wirklich interessanter Ansatz einer neuen Welt mit der Mischung aus Fantasy und Romantik, wobei die Idee des "Sturmkönigs" nicht ganz neu ist.
 
Emotionen / Protagonisten:
Aurora wirkt zunächst trotzig und willensstark. Sie war mir anfangs recht sympatisch, da sie nicht nur aus purem Egoismus geflüchtet ist, sondern sich ihrem Volk sehr verbunden fühlt und einen Ausweg aus ihrer Misere gesucht hat. Ich konnte ihr gut nachempfinden und fand den Grund ihrer Flucht auch schlüssig. Im Laufe des Buches beginnt sie mich aber zu nerven. Sie wirkt immer naiver und obwohl sie sehr hart trainiert, um eine Sturmjägerin zu werden, hat sie manche Anwandlungen, die ich nicht nachvollziehen kann. Sie bleibt trotzig, aber auf eine sehr anstrengende Art und Weise. 
 
Der Sturmprinz Cassius ist im ersten Abschnitt stark präsent und hat mir sehr gut gefallen. Er strahlt eine unergründliche und mysteriöse Art aus, die mich gleich gefesselt hat. Er ist eher der Bad-Boy, der aber seine eigenen Geheimnisse hat, was ihn für mich wesentlich interessanter macht. Doch nach Auroras Flucht taucht Cassius so gut wie gar nicht mehr auf und verblasst leider total. Von ihm hätte ich gerne mehr gehabt. Er war auch der Magnet, der mich am Anfang angezogen hat und mir deswegen die Leseprobe auch so gut gefallen hat.
 
"Das Bedürfnis, hinter all ihre Geheimnisse zu kommen, war um so stärker, weil sie bald ihm gehören würde. Sie zu erobern würde wahrscheinlich aufregender sein als jeder Sieg, den er je über einen Sturm errungen hatte."
 
Cora Carmack: "Stormheart - Die Rebellin", S. 23 (Gebundene Ausgabe © 2017 Friedrich Oetinger Verlag)
 
Hingegen wirkt der Sturmjäger Lock, der Aurora als Mentor trainiert, anfangs ebenfalls mysteriös und geheimnisvoll, ist aber dann sehr schnell aalglatt und langweilig. Da ist kaum was Überraschendes an ihm, und wirkt eher liebeskrank und ferngesteuert. Die ganze Liebesgeschichte, die sich zwischen Aurora und Lock anbahnt, empfand ich zuerst ganz nett, später aber wurde es mir zu kindisch und beide Protagonisten blieben für mich einfach oberflächlich. Lock wirkt auf mich auch ziemlich arrogant und von sich selbst sehr überzeugt. Er ist dann auch so liebesblind, dass er Auroras mehr als verdächtiges und merkwürdiges Verhalten nicht hinterfragt und nicht einmal eine gesunde Portion Skepsis aufbringt. Das ist für mich nicht authentisch.
 
Handlungsaufbau / Spannungsbogen:
Die Spannung hat sich über die ersten Abschnitte sanft aufgebaut und man wurde in die Handlung allmählich eingeführt.  Die Mischung zwischen mystischer Fantasy und Romantik fand ich gut ausgewogen. Doch über den Verlauf des Buches konnte der Spannungsbogen nicht weiter ausgebaut werden. Die Handlung bleibt vorhersehbar ohne wirklich spürbare Wendungen, geschweige denn aufregende Plottwists. Die magischen Momente wurden immer weniger, es gab kaum Höhepunkte und erst recht keinen Showdown. Nicht einmal einen Cliffhanger (welcher bei einer Trilogie ja inzwischen schon Usus ist), haben wir erleben dürfen. Das Buch endet einfach flach, ohne dass die Handlung wirklich abgeschlossen ist. Einige Fragen sind mehr als offen geblieben und ungereimte Stellen lassen mich ziemlich unglücklich zurück. 
 
Szenerie / Setting:
Cora Carmack beschreibt die Umgebung schön bildhaft und die einzelnen Szenen sind gut vorstellbar. Das schon fast dystopische Setting passt gut zu den Fantasy-Elementen mit den zerstörerischen Stürmen und der Sturmmagie. Es gab ein paar schöne magische Momente zwischen den Stürmen und den Protagonisten, die mir aber dann zu kurz abgehandelt wurden. 
Die ellenlangen Seiten mit dem Liebesgeplänkel „Fang mich doch“ ist mir dann einfach zu kindisch und zu doof. Das letzte Kapitel besteht nur noch daraus (schon fast bis hin zu sehr erotischen Beschreibungen) und die Fantasy ist für mich total verflogen. Die ganze Geschichte hat für mich deswegen auch kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Das hätte sich genauso auch in einem anderen Setting abspielen können. 
 
Es ist weder eine prickelnde Lovestory mit ordentlichen Funkenschlag und Dramatik, noch eine mystische Fantasy-Story mit ausgefallener Magie und fesselnder Phantasie. Beides kommt mir zu kurz.
 
Sprache / Schreibstil:
Der anfängliche, für Fantasy typische Sprachstil hat mir gut gefallen. Es war flüssig und angenehm zu lesen. Obwohl ich bei dieser „gestelzten“ Sprache oft meine Probleme habe, fand ich sie hier ganz ausgewogen und nicht übertrieben. Der Schreibstil nimmt aber kontinuierlich über das Buch ab und wird zum Schluss hin doch sehr gewöhnlich. Vor allem arbeitet Cora Carmack dann vermehrt mit wörtlicher Rede, was ich immer als sehr problematisch finde, weil das immer die Geschichte langatmig wirken lässt. Viele Unterhaltungen hätte man sich sparen können. 
 
Cora Carmack lässt uns die Geschichte in der Multiperspektive erleben. Durch den recht häufigen Perspektivenwechsel habe ich auch den Zugang zu den Protagonisten schlecht vertiefen können. Was ich anfangs gut fand und auch passend für die Einführung in die Geschichte war, empfand ich am Ende eher als lästig. Ich musste auch immer erst ein paar Zeilen lesen, um zu kapieren, aus welcher Sicht das gerade erzählt wird. Das hat mich im Lesefluss gestört. Man hätte sich hier auf eine Hauptsicht (die von Aurora) beschränken sollen, und diese dann vielleicht auch abgesetzt zur Multiperspektive in der Ich-Perspektive erzählen können. 
 
In den letzten Abschnitten fand ich den Perspektivenwechsel mehr als unglücklich. Da hat sich Cora Carmack keinen Gefallen getan (oder es sich zu einfach). Denn es gab einige Stellen, die ich gerne aus der anderen Perspektive gelesen hätte. Zum Beispiel, als Aurora mit dem Nebel spricht. Das hätte eine sehr schöne magische Stelle werden können. 
 
 
Fazit:
Mich hat die Geschichte zum Ende hin nicht mehr mitnehmen können. Die Spannung wurde über das gesamte Buch auch nicht wirklich aufgebaut. Es hat mich nicht so gefesselt und ich bin mir nicht sicher, ob mich der weitere Verlauf auch interessiert. Zu viel unglaubwürdiges und kindisches Liebesgeplänkel, und zu wenig Fantasy. Eine tolle Idee die aber ihr Potenzial verschenkt hat, das "Gewisse Etwas" hat mir einfach gefehlt.

Herrlich ironisch aber gefühlvoll, zwischen Emotionen und Vergangenheitsbewältigung

Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt - Kristina Günak
Dank der Bücherplattform Lesejury.de durfte ich mit diesem Buch an einer Leserunde teilnehmen. Der LYX-Verlag hat mir ebenfalls über Netgalley.de ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich möchte mich hiermit beim Verlag LYX - Bastei Lübbe noch mal herzlichst dafür bedanken. Die Leserunde auf Lesejury.de hat es mir allerdings schwer getan, da ich durch die langen Leseabschnitte gezwungen war, das Buch 2 mal für mehrere Tage zur Seite zu legen. Ich kann deswegen nur empfehlen das Buch in einem Rutsch zu lesen und sich von Beas Gefühlschaos mitreissen zu lassen.
 
Cover:
Ein schönes und lustiges Cover. Die schöne handgeschriebene Schrift ziert in der Mitte das Cover, drumherum Kringel, die Telefonkritzeleien sein könnten, oder wenn ein Autor gedankenverloren an seinem Plot arbeitet. Bei den gelben Tupfen bin ich mir nicht sicher, was sie darstellen sollen, goldene Konfetti? Ich finde es verspielt, aber trotzdem schlicht und schön.
 
Handlung:
Um den kleinen Verlag zu retten, muss Bea mit dem rüpelhaften Starautor Tim Bergmann auf Lesereise gehen. Nur wenn er einen wichtigen Leserpreis gewinnt, für den sie während der Reise viel Werbung machen müssen, kann der Verlag weiter existieren. Aber Tim schreibt Dystopien und passt so gar nicht in das Konzept eines Verlages für Liebesromane. Er ist launisch und expulsiv. Aber Bea muss die 4 Wochen kreuz und quer durch Deutschland mit diesem Mann überstehen, vor allem weil er doch immer wieder ungewohnte Gefühle in ihr hervorruft, die sie ziemlich aus dem Konzept bringen.
 
Buchlayout/Haptik:
Die 37 Kapitel sind recht kurz, was ich als ganz angenehm empfunden habe, zumindest hat es mich im Lesefluss nicht gestört. Zu jeder Kapitelnummer gibt es auch noch einen kurzen, aber prägnanten Titel.
 
Idee/Plot:
Beide Protagonisten haben eine sehr ähnliche Vergangenheit. Wobei Tim damit offener umgeht und diese Vergangenheit auch in seinem Buch verarbeitet. Bea hingegen flüchtet in akribische Kontrolle. Diese beiden Menschen prallen nun aufeinander und müssen unter erhärteten Bedingungen miteinander auskommen. Sie werden durch die Anwesenheit des anderen mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, was natürlich dann auch zu einigen Konfliktmomenten führt. 
 
Handlungsaufbau/Spannungsaufbau:
Die Handlung wird sanft aber stetig aufgebaut. Wir bekommen zunächst nur häppchenweise was von Beas und Tims Vergangenheit mit, erhalten aber im Laufe des Buches immer mehr Einblick. Die Spannung und das Prickeln werden auch sehr schön über das Buch aufgeteilt und steigt von Abschnitt zu Abschnitt, bis es in einen tollen Gänsehautmoment gipfelt. 
 
Szenerie/Setting:
Kristina Günak versteht die Umgebung knackig aber prägnant zu umschreiben. Sie hält sich nicht mit ausladenden Beschreibungen auf und setzt den Fokus vielmehr auf die Gefühls- und Gedankenwelt. Da wir uns auch in Deutschland befinden ist es für den Leser leicht, sich die Szenerien vorzustellen. Es passt auch gut zusammen: die Welt rund um Bücher, der Alltag in einem ums Überleben kämpfenden Verlag, der dystopische Schreiberling Tim und die selbstbeherrschte Bea. Eine gute Mischung, nicht zu viele Nebenschauplätze aber geschickte Nebenhandlungen.
 
Sprache/Schreibstil:
Das Buch lässt sich wunderbar locker und leicht lesen. Die Sprache ist absolut flüssig und herrlich spritzig und frech. Die Geschichte wird uns ausschließlich in der Ich-Perspektive von Bea präsentiert und gibt uns einen tiefen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Witzige und ironische Sprüche wechseln sich ab mit immer wieder recht reflektierenden Gedankenblitzen.
„Sein Blick wird stechender, und ich halte mich unauffällig mit einer Hand an der Tischkante fest. Diana weiß, wo ich bin, Wenn ich nicht zurückkomme, wird irgendwann sicherlich jemand nach mir suchen. Spätestens wenn die Besprechungskekse alle sind, wird ihnen auffallen, dass der böse Autor mich erlegt hat.“
S. 53 (Kristina Günak: „Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt“, Taschenbuch © 2017 LYX by Bastei Lübbe AG, Köln)
 
Emotionen/Protagonisten:
Bea hat es in ihrer Kindheit nicht leicht gehabt. Es wird schnell klar, dass sie ein Pflegekind war und durch Glück an ihre Pflegeeltern gekommen ist, die sie aus dem „Ursumpf“ gezogen haben. Ihre bittere Erfahrungen von ihren leiblichen Eltern verbirgt sie hinter einer steinernen Maske aus Kontrollzwang und strengen To-Do-Listen. Ihr Schicksal ist ihr großes Geheimnis. Zusätzlich hat sie das enorme Problem, dass sie niemals „nein" sagen kann, und so an den Rand ihrer Kräfte gelangt. 
Sie ist ihrer Pflegefamilie extrem zu Dank verpflichtet und hat ihren Geschwistern gegenüber ein sehr weiches Herz. Trotzdem kann sie ganz schön gepfefferte Sprüche loslassen und steht Tim in Sachen Ironie kaum nach. Aber, sie ist auch unheimlich reflektiert, denkt viel über die Geschehnisse nach und beginnt sich aus ihrer Kontroll-Isolation zu befreien.
 
Tim ist zunächst der undurchschaubare Typ à la Bad-Boy. Tätowiert, schwarze Klamotten und ein absoluter Stinkstiefel. So wie man sich auch einen typischen Schriftsteller vorstellt, der nur dystopische Handlungen im Kopf hat. Und dazu ist er auch noch der begehrteste und heißeste Junggeselle auf dem Planeten. Aber sein Buch ist ganz klar die Verarbeitung seiner Vergangenheit, mit der er Bea gegenüber immer offener umgeht. Er ist oft unbeherrscht und aufbrausend, damit macht er Bea zusätzlich des öfteren auch Angst. Diese Angst spürt er, und beginnt zu verstehen, dass etwas mit Bea nicht stimmt. 
 
Aber Tim kann hinter Beas Fassade gucken und hält ihr auch ziemlich oft den Spiegel vor: 
„Tim Bergmann berührt mein Herz. Auf eine sonderbare, nicht fassbare Art und Weise. Dabei tut er gar nichts, um seine Gunst auch nur im Ansatz zu verdienen.“
S. 102 (Kristina Günak: „Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt“, Taschenbuch © 2017 LYX by Bastei Lübbe AG, Köln)
 
Durch die vielen inneren Dialoge, ihre Gedanken und Reflektionen konnte ich mit Bea unheimlich gut mitfühlen. Sie ist für mich absolut authentisch. Ihre Handlungen kann man zwar manchmal als etwas übertrieben sehen, aber sind dennoch nachvollziehbar. Und auch Tim ist für mich kein typischer Buchheld. Er ist oft ein Kotzbrocken, lebt in seiner eigenen Welt, und trotzdem blitzen immer wieder sanftmütige Momente durch, die einem das Herz zum Prickeln bringen.
 
Meine Meinung:
Es ist toll mit zu erleben, wie reflektiert Bea Tims Verhalten aufnimmt. Anfangs noch sehr verunsichert erkennt sie die Gleichheit zwischen ihnen. Beide, Tim und Bea, vollziehen während der Geschichte eine wunderbare Wandlung, die ich ganz wichtig finde. So baut sich das Buch auch wirklich gut auf und nimmt uns immer weiter in das Gefühlschaos der beiden. Wir selber lernen immer mehr die Protagonisten zu verstehen, so wie sie sich selber auch.
 
Der trockene Humor hat mir sehr gut gefallen. Es ist nicht nur ein Klamauk oder ein triefend rührendes Buch. Nein, ironisch komische Situationen und gefühlvolle Momente geben sich wirklich gekonnt die Hand. Ganz großartig geschrieben und wirklich sehr erheiternd!
 
Vor allem möchte ich die Messages, die Kristina Günak uns mit diesem Roman mitgibt, hervorheben. Eine wahre und ehrliche Beziehung beruht auf Vertrauen und Wahrheit. Es geht darum, den wahren Kern des Menschen zu erkennen und ihn so anzunehmen, egal welche Vergangenheit er durchlebt hat. Die wahre Liebe ist Sicherheit geben aber auch Hilfe einfordern. Und für sich selber auch Grenzen setzen und die Grenzen des anderen zu akzeptieren.
 
Eine tolle Idee einer Liebesgeschichte, die erst durch die gemeinsame Reise der Beiden in sehr emotionalen Szenen zu entstehen beginnt. Ab dem letzten Drittel des Buches hat es mich dann noch mal sehr bewegt und mitgenommen, es war ein stetiger Wechsel zwischen Weinen und Lachen. 
 
 
Fazit:
Ich hatte rundum ein tolles Leseerlebnis und habe mich mit diesem Buch auf niveauvolle Art und Weise unterhalten gefühlt. Von mir gibt es dazu eine klare Leseempfehlung

Packende Spannung und dramatische Wendungen, perfekte Fortsetzung der Saga

FederLeicht.Wie Nebel im Wind (FederLeichtSaga 5) - Marah Woolf, Carolin Liepins
Coverbild
In einem mausigen Nebelgrau erscheint nun das 5. Band der FederLeichtSaga. Verteilt auf dem Cover sieht man die verschiedenen Aureolen, wobei hier die Feder im unteren Drittel hervorgehoben ist. Sie wird in diesem Buch auch eine wichtige Rolle spielen.
 
Handlung
Zurück aus dem Haus der Wünsche dürfen die Freunde Eliza, Sky und Frazer auf Avallach bleiben, müssen sich aber am Unterricht beteiligen. Cassians Hochzeit mit Opal steht kurz bevor, und sein Wunsch, endlich das Augenlicht wieder zu erlangen wird immer greifbarer. Eliza trägt die Bürde des 3. Siegels und will es noch nicht zerstören, denn sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben Grace aus dem Siegel retten zu können. Doch die Magier werden immer mächtiger und es passieren schreckliche Dinge auf Avallach. Eliza muss endlich handeln, aber wem kann sie noch vertrauen? 
 
Buchlayout (eBook)
Kleine verschnörkelte Illustrationen zieren jedes Kapitel unterhalb der Nummer. Die einzelnen Kapitel sind in einer angenehmen Länge, nicht zu kurz und nicht zu lang. Das gefällt mir richtig gut und passt zur gesamten Reihe. 
 
Idee / Plot
Die Magische Welt steht vor einer großen Herausforderung. Damian de Winter drängt darauf, dass das Volk der Magier wieder die gleichen Rechte wie alle Völker erhaltet. Aber es wird schnell klar, dass er auch mit aller macht das Siegel möchte, und dazu ist ihm jedes Mittel recht. Es ist eine verzwickte Situation. Ausgestossene möchten wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden, stehen aber einer feindseligen Gesellschaft gegenüber. Das sind brisante Themen, die wir tagtäglich erleben: Fremdenhass und Integration. Aber wie integriert man ein jahrhundertelang verhasstes Volk? Denn nicht alle Magier sind so böse wie Damian de Winter. Das wäre ja fast so, als würde man Syrien in die G8 aufnehmen und die Anwesenheit von Assad dafür hinnehmen. In dieser Zwickmühle befindet sich auch Eliza, denn in dieser brisanten Situation muss Eliza das Siegel zerstören, denn es darf keinem der Völker in die Hände fallen, sonst würde derjenige die Macht missbrauchen. 
 
Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Von Kapitel zu Kapitel passieren immer mehr merkwürdigere und auch grausame Dinge. Victor und Rubin, die zunächst erst die einzigen Magier auf Avallach sind, und geraten als Täter immer mehr ins Visier. Auch der Hass der anderen Völker gegenüber den Magiern wird immer spürbarer. Die Bedrohung wird immer größer und die Last auf Elizas Schulter durch das Siegel wird immer spürbarer. Dabei steht Eliza dann auch noch der bockige Elf Cassian und seine Verlobte Opal im Weg. Die Spannung ist hier wunderbar aufgebaut und gewürzt wird das Ganze auch noch mit einigen Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte und ich auch manchmal weinen musste. Und endet dann in einem großen Showdown, schließt aber die in diesem Buch aufgebaute Handlung nicht wirklich ab. 
 
Szenerie / Setting
Man muss nicht die MondLichtSaga kennen, um den Zauber von Avallach und der magischen Welt zu spüren. Marah Woolf hat es verstanden das Schloß wieder in meinem Kopf aufleben zu lassen. Kurze Rückblicke erklären auch gut die Zusammenhänge ohne langatmig zu wirken. Mich haben sie überhaupt nicht gestört, ich fand sie absolut passend.
 
Emotionen / Protagonisten
Eliza wirkt für mich in diesem Buch viel erwachsener und reifer als in den Teilen davor. Sie hat begriffen, dass Cassians Herzenswunsch nur mit der Vermählung mit Opal zu erfüllen ist. Sie lässt sich auch auf das „Wir sind nur Freunde“ ein, denn die Emotionsachterbahn würde sie auch nur von ihrer Mission ablenken. 
 
Cassian hält stringent an seinem Vorhaben fest und will Opal ehelichen. Das ist seine Chance sein Augenlicht wieder zu erlangen, und dafür muss er das Opfer erbringen und auf Eliza verzichten. 
 
Auf Frazer, Sky und Jade kann ich an dieser Stelle nicht eingehen, das würde sonst den Rahmen der Rezension sprengen. Es ist nur zu erwähnen, dass sie für Eliza alle wichtig sind und an sie glauben. Vor allem Rubin und Victor. Beide sind Magier und haben keinen einfachen Stand in Avallach.
 
Sprache / Schreibstil
Sprachlich ist es mal wieder für mich absolut top und mitreissend. Das gesamte Buch lässt sich durchweg flüssig lesen und kann durch Elizas Gedanken in ihrer authentischer Sprache wirklich gut mit mitfühlen. 
 
Meine Meinung
Ich weiß nicht, wie laut ich in diesem Buch „Aaaarghhhhh“ gerufen habe. Zwar nicht so oft, wie in den letzten Bänden, dafür um so lauter. Marah hat es mal wieder geschafft mich zu überraschen und mein armes kleines Herz ganz schön auf die Probe gestellt. Nicht nur die vielen Wendungen und Überraschungen, sondern auch die Entwicklung der Protagonisten. Eine Wendung hat mich sogar sehr tief berührt und mich wirklich heftig erschüttert. 
 
Mir gefällt es, dass Eliza nicht (mehr) das gehirnlose, liebeskranke Girly ist, sondern viel vernünftiger rüber kommt. Obwohl es ihr das Herz bricht und ich mit ihr am liebsten Opals Augen ausgekratzt und Cassian mal ein paar saftige Watschen verpasst hätte, konzentriert sie sich auf ihre Bürde, will sich nicht von Cassian und dem Gefühlschaos, welches trotzdem in ihr wütet, ablenken lassen.
 
"Dieser Mann war dauerschlechtgelaunt. Ich sollte froh sein, ihn los zu sein. Stattdessen wäre ich ihm am liebsten hinterhergerannt, um mich auf ihn zu stürzen und ihm seine Klamotten vom Leib zu reißen. Also wenigstens sein nasses Hemd."
Marah Woolf: „FederLeicht 5“, Pos. 468, eBook
 
Cassian hat sich vom bockig-sein etwas abgewendet. Ich habe ihn lange Zeit als eiskalten Kotzbrocken empfunden. Ganz am Anfang fällt er erst mal über Eliza her (also das Küssen hat er jetzt wohl drauf), aber dann ist er von der Hochzeit nicht mehr abzubringen.
"»Das möchte ich nicht, Eliza. Das mit uns beiden ist jetzt und hier vorbei. Endgültig. Deswegen bin ich gekommen. Um es dir zu sagen.«“
Marah Woolf: „FederLeicht 5“, Pos. 894, eBook
 
Und trotzdem ist er ständig in Elizas Nähe und kann irgendwie auch nicht die Finger von ihr lassen. Es ist aber nicht mehr so das schnelle Gefühls-Ping-Pong wie aus den vorherigen Bänden, eher ein Emotions-Tennis. Der Ball ist ganz lange bei Cassian, ob er ihn auch irgendwann mal zurückspielt und endlich mal die richtigen Prioritäten setzt? 
 
Kleinere Nebengeschichten, die aber sich gut einfügen, bereichern die Geschichte. Es gab auch viele lustige Momente, bei denen ich laut aufgelacht habe! 
"»Wie schaffen die Menschen es bloß, solche Kämpferinnen heranzuziehen?« »In meinem Fall war es viel Biokost und eine Großmutter, die mir gesagt hat, dass ich mir nehmen soll, was ich haben möchte«, antwortete ich."
Marah Woolf: „FederLeicht 5“, Pos. 3822, eBook
 
Auf Avallach lernt Eliza auch Moira kennen, die sie in Wahrsagen unterrichtet. Sie gibt Eliza Halt und ist einen Zufluchtsort vor dem ganzen Gefühlschaos. Moira ist gruselig, aber ich habe sie schnell in mein Herz geschlossen. Ihre Geschichte und Schicksal hat mich sehr berührt. 
 
Was mich aber wahnsinnig frustriert hat, dass keiner Eliza wirklich helfen kann und will, weder Elisien noch Merlin. Eliza muss alles alleine machen und ist nur noch auf ihre Freunde angewiesen. 
 
Einige Fragen haben sich geklärt, aber neue haben sich aufgetan, auf die wir wohl in den nächsten Bänden eine Antwort erhalten werden. Es ist auch das erste mal, dass Marah Woolf einen Handlungsstrang nicht komplett abschließt, sondern uns mit weiteren Rätseln zurücklässt, obwohl das Buch in sich schlüssig zu Ende gebracht ist.
 
 
FAZIT
Das Buch hat mich mitgerissen und am Ende noch mal richtig gepackt. Da wird es echt noch mal richtig aufregend und aufwühlend mit einem absolut packenden Showdown! Ein absolutes Muss für alle Marah und FederLeicht Fans! Hätte ich nicht Familie und Beruf, hätte ich das Buch in einer Nacht durchgesuchtet.

Schade - Feinfühlige Idee ohne große Gefühlsachterbahn

Ava - Vera Kerick
Coverbild
Sehr schlicht und dezent ist das Cover. Es gefällt mir gut. Der einfarbige graue Hintergrund mit den einfachen Blumen und Blütenblättern ist schlicht. In der Mitte wird der Buchtitel "Ava", der Name der Protagonistin, nüchtern in einer Serifenlosen Schrift angezeigt. Es ist schnörkellos aber nett ein bisschen wie das gesamte Buch.
 
Handlung
Nach einer Operation kann Ava, die in der Kindheit durch eine Krankheit ertaubt ist, wieder hören. Sie ist in die große Stadt gezogen und in ihrem Beruf als Universität-Bibliothekarin recht erfolgreich. Nun möchte sie ihre große Jugendliebe Peter wieder sehen und trifft ihn auf einem Besuch bei ihrer Mutter in ihrem Heimatdorf. Doch ihre Schwärmerei wird durch ein einschneidendes Familiengeheimnis getrübt. Ava begibt sich in ein Karussell von Lügen, Geheimnissen und Gefühlen, immer auf der Suche nach der Erfüllung ihrer wahren Liebe.
 
Buchlayout (eBook)
Das gesamte Buch ist in 4 Teilen eingeteilt. Dabei sind sie aber sinngemäß nicht voneinander getrennt, so dass sich mir diese Einteilung nicht erschließt. Die einzelnen Kapitel sind angenehm in der Länge, Rückblenden und Perspektivenwechsel werden leider kaum optisch voneinander getrennt. Als Titel eines Kapitels erscheint nur die Zahl. Insgesamt ist das eBook einfach gehalten.
 
 
Idee / Plot:
Die Autorin greift ein sehr feinfühliges Thema auf, das jedem von uns bestimmt in dieser oder ähnlicher Form schon begegnet ist:  Wie viel darf und soll man den Menschen, die man liebt, an Wahrheit sagen, wann ist es berechtigt zu Lügen? Haben diese Menschen nicht immer das Anrecht auf Wahrheit? Wie egoistisch darf man sein, auf die Gefahr hin die Lieben dadurch zu verletzen? Diese Idee gefällt mir sehr gut und regt einen zum Nachdenken an. Gesunde Beziehungen bauen auf Kommunikation, Verständnis und Ehrlichkeit. 
 
Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Der Handlungsaufbau ist sehr durchwachsen und es gibt kaum Spannungsmomente. Die Erzählung plätschert so dahin, obwohl es sehr viele Zeitsprünge und Perspektivenwechsel gibt. Es hätte ein spannendes Zusammenspiel werden können, mich verwirrt es aber eher. Trotzdem ist die gesamte Handlung vorhersehbar. Es gibt einen Plottwist ziemlich am Anfang, danach geht es aber eintönig weiter. Einen richtigen Höhepunkt kann ich nicht erkennen und das Ende war zu erwarten.
 
Szenerie / Setting
Von der Umgebung und den Personen bekomme ich leider nur sehr wenig mit. Es wird wenig bildlich beschrieben und ich kann sie mir kaum vorstellen. Die große Stadt, in der Ava lebt, wird nicht namentlich genannt. So dass man nicht einmal weiß, in welchem Teil von Deutschland sie sich befindet, um sich ein gewisses Bild vom Umfeld machen zu können. Genannt wird nur München in Bayern, wobei die dort lebenden Personen ziemlich stereotypisch dargestellt werden. Dornfeld, Avas Heimatdorf, liegt an der Ostsee.
 
Emotionen / Protagonisten
Es ist unheimlich schwer einen Zugang zu Ava und Peter zu finden. Ich kann auch nicht mal besondere Eigenschaften der Personen hervorheben, weil ich sie mir gar nicht richtig vorstellen kann.
 
Ava ist mit 8 Jahren ertaubt und musste in ein spezielles Internat. Sie lernte mit der Behinderung umzugehen und hat die Liebe zu den Büchern entdeckt. Ihre Jugendliebe Peter hat sie nie vergessen und es ist für sie ein richtiger Zwang ihn wieder zu sehen.
 
Ihre beste Freundin Helen, die sie im Internat kennengelernt hat, gibt ihr den meisten Halt. Helen ist nach Bayern gezogen und bekommt mit ihrem Ehemann Leopold ein Kind.
 
Peter aus ihrem Heimatdorf, scheint ein sehr netter Junge zu sein, und lernt Ava auf einem der traditionellen Dornfelder Sommerfeste kennen. Danach verschwindet er aus ihrem Leben.
 
Avas Mutter ist nach dem Tod ihres Mannes alleine und lebt nicht mehr im gleichen Dorf. Zu Ava hat sie zunächst ein sehr inniges Verhältnis, das durch einen Streit sehr getrübt wird.
 
Zu erwähnen sind noch David und Konstantin. David spielt nur eine periphere Rolle, bekommt aber sehr viel Raum, genauso wie Konstantin. Es gibt weitere Personen die mehr oder weniger im Roman vorkommen, die man meines Erachtens etwas mehr zurück nehmen hätte können, da sie dem Handlungsstrang nicht wirklich dienlich sind.
 
Sprache / Schreibstil
Die Sprache ist ausgereift und gut geschrieben, aber viel zu nüchtern und emotionslos. Zunächst ist die Geschichte als personaler Erzähler aus Avas Perspektive dargestellt. Dann  gibt es plötzlich einen Wechsel zwischen Ava und Peter. Teilweise hüpft man auch in wenigen Sätzen in den auktorialen Erzähler. 
Sehr viele Nebengeschichten werden über das ganze Buch hinweg aneinandergereiht aufgezählt, ohne einen tieferen Einblick in die Gefühlswelt zu bekommen. Es gibt so gut wie keine Metaphern, keine bildliche Ausschmückung.
 
Meine Meinung:
Der Aufbau des Romans finde ich nicht so glücklich. Im ersten Teil gibt es einen häufigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dann eine ganze Weile nicht. Die Rückblenden in Avas Jugend kommen gar nicht mehr vor, dafür dann Rückblenden in die nähere Vergangenheit, und plötzlich wechselt die Erzählperspektive zwischen Ava und Peter. Da ist das Konzept des ganzen Buches meines Erachtens nicht ganz geglückt. 
Vor allem beim Perspektivenwechsel fehlt mir ein optischer Anhaltspunkt, um wessen Perspektive es sich gerade handelt. Man braucht erst mal 2-3 Sätze - die man auch mehrmals lesen muss - bis man begriffen hat, welche Perspektive es gerade ist. Da hätte man ruhig eben den Namen drüber schreiben, oder tatsächlich jedes Kapitel nur in einer Perspektive erzählen lassen können. Ebenfalls sind mir die Zeitsprünge dazwischen zu heftig und man muss sich mühselig zusammenreimen, wie viel Zeit vergangen ist, wann und wo man sich gerade befindet.
 
Sehr schade finde ich die Oberflächlichkeit und Nüchternheit, mit der diese Geschichte erzählt wird. Erzählerisch ist es mir zu mau, kein Prickeln, keine Gefühle, die unter die Haut gehen.
Es wird viel erzählt wie etwas gemacht wird, also Handlungen aneinandergereiht, aber ich weiß nicht einmal wie die Personen aussehen, sich fühlen, wie es riecht, wie was schmeckt... Da fehlt mir die bildliche Ausschmückung um mehr Bezug dazu zu bekommen und es selber nachempfinden zu können. Und deswegen ist es mir zu oberflächlich. Viele Verhaltensweisen und Handlungen der Personen kann ich so auch nicht nachvollziehen, sie bleiben mir einfach verschlossen. Und die meines Erachtens sehr wichtigen Stellen in dem Buch werden in dem ebenso eintönigen plänkelhaften Stil beschrieben. Eigentlich große Gefühlszenen werden so nebenbei in einer halben Seite abgehandelt. Hier hätte für mich das Kopfkino anspringen müssen, werde aber schnell enttäuscht, und dann wird munter eintönig weiter geplappert ohne bei mir einen tieferen Eindruck zu hinterlassen.
 
FAZIT:
Als einfache Lektüre ist es eine nette Geschichte, aber ohne Gefühlsachterbahn oder Emotionskarussell. Wer mehr Kopfkino erwartet wird mit diesem Buch enttäuscht sein.
 

tzzzzz… Anfangs lustig, aber stereotypisch und Spaß schnell verpufft

Man lernt nie aus, Frau Freitag!: Eine Lehrerin in der Fahrschule des Lebens - Frau Freitag
Von Frau Freitag kannte ich bisher noch kein Buch, deswegen bin ich ziemlich unvoreingenommen an dieses Büchlein rangegangen. 
 
Die Handlung:
In ihrem Sabbatical-Jahr möchte Frau Freitag mit ihren über 40 Jahren endlich ihren Führerschein machen. Dazu muss die Lehrerin einer Mittelschule die Seiten wechseln und wird nun selber wieder zur Schülerin. Doch dabei sieht sie sich den typischen Vorurteilen in der Männerdomäne gegenüber und muss sich entgegen den Erwartungen ihrer Fahrlehrer besonders behaupten. 
 
Buchlayout / Haptik
Das kleine Taschenbüchlein mit seinen nicht ganz 200 Seiten kommt ganz schlank daher. Der Schriftsatz ist eng, jedes Kapitel ist mit der Wochenzahl betitelt und dem Geld, den Frau Freitag bis dahin ausgegeben hat. Das finde ich eine witzige Idee.
 
Idee / Plot
Die Idee, als über 40 Jährige noch den Führerschein zu machen und sich als Lehrerin nun selber die Seiten zu wechseln und Schüler eines Fahrlehrers zu werden, fand ich ganz nett und lustig. Jeder sollte nach einer gewissen Zeit in seinem Beruf die Perspektive wechseln und damit vielleicht mal über seinen Tellerrand schauen. 
 
Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Zunächst geht es natürlich schon sehr witzig los, und wir begleiten Frau Freitag nach ihrer Anmeldung in der Fahrschule erst mal in den Erste Hilfe Kurs. Auch die anschließenden Fahrstunden mit ihrem ersten Fahrlehrer sind ulkig und erinnern mich sehr an meine eigene Zeit, als ich den Führerschein gemacht habe. Aber nach der ersten verpatzten Prüfung, und nachdem Frau Freitag nun schon zwei mal den Lehrer gewechselt hat, plätschert die Handlung nur noch so im gleichen Geplapper dahin. Das Ende, die Suche nach dem perfekten Auto interessiert mich dann auch schon irgendwie nicht mehr.
 
Szenerie / Setting
Frau Freitag erzählt nach ihrer Schnauze, und so werden die Personen und Fahrschulen ziemlich authentisch rüber gebracht. Auch wenn bei mir der Führerschein schon eine Weile her ist, ich habe plötzlich wieder alles exakt vor Augen. Und das Grauen, die theoretischen Stunden in dem muffigen Raum, oh Gott! 
 
Emotionen / Protagonisten
Ich kann aber Frau Freitag nicht ganz so gut nachvollziehen. Sie ist ständig darauf erpicht sich ein Lob ihrer Fahrlehrer einzuholen, dass sie schon richtig besessen davon ist. Das hat mich dann im Laufe des Buches etwas gestört. 
 
Sprache / Schreibstil
Wehe wenn Frau Freitag losgelassen, dann schimpft sie wie ein Rohrspatz. Amüsant beschrieben, mit ehrlicher und authentischer Sprache. Ohne große Raffinesse oder komplizierten Wortgeflechten. Es sind eher kurze Sätze, Gedankenblitze, mit denen die Situationen beschrieben wird. Das kann dann auch mal ganz schön deftig werden. Aber es passt gut zu der ganzen Geschichte und liest sich schnell und flüssig.
 
Meine Meinung:
Ihr merkt es bestimmt schon am meiner zurückhaltenden Beschreibung der einzelnen Kriterien. Es geht wirklich gut los, habe auch oft viel schmunzeln müssen und empfand es zunächst als erfrischen authentisch und lustig. Aber das geht mit der Zeit einem auch auf die Nerven, bzw. wird schon viel Humor am Anfang verpulvert und der Rest plätschert dann auch so in gleicher Manier vor sich hin und vieles wiederholt sich dann auch. 
 
Ich weiß nicht, ob Frau Freitag hier reale Personen beschreibt oder doch einiges aus ihrer Phantasie hinzudichtet. Aber ihre Fahrlehrer Harald und Dieter erscheinen mir doch sehr stereotypisch. Woran Frau Freitag sehr zu knabbern hat, und das glaube ich ihr auch, dass sie aufgrund ihres Alters schon gleich in die entsprechende Schublade „Alte Frauen lernen das fahren nie“ zu kämpfen hat. Neben den Klischeedenken ihrer Fahrlehrer, merkt Frau Freitag auch wie wichtig das richtige Feingefühl für die Balance zwischen motivierendem Lob und dekonstruktiver Kritik ist - und wie hauchdünn. Schön, ist, dass sie dies reflektiert und auch erkennt, dass sie eigentlich genauso zu ihren Schülern ist:
 
Ich sage doch viel öfter, was die Schüler machen sollen und was sie unterlassen sollen. Das ist nicht nur kein Loben, das ist vielleicht sogar das Gegenteil von Lob. Am Ende bin ich Harald und Dieter ähnlicher, als ich dachte. Vielleicht regen sie mich deshalb so auf.
Frau Freitag „Man lernt nie aus, Frau Freitag!" S. 92 (Taschenbuch, © 2017 Ullstein Buchverlage GmbH)
 
Fazit:
Guter und humorvoller Start, der mich aber über das gesamte Buch nicht weiter mitreissen konnte. Gut für Zwischendurch ohne hohe literarische Ansprüche. Ein weiteres Frau Freitag Buch werde ich mir aber nicht mehr antun.

Brisante Thematik schwach umgesetzt in zähen Geschichten

Die Geschichte der Bienen: Roman - Maja Lunde, Ursel Allenstein
Die Leseprobe zu „Die Geschichte der Bienen“ fand ich sehr interessant. Ich bin zwar kein Bienen-Experte, bin aber fasziniert von meinen Solitärbienen, die in meinem Bienenhotel ihre Brut ablegen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass ich bei vorablesen.de zum Rezensieren dieses Buches ausgewählt wurde.

Das Cover:

Auf dem Cover ist eine Biene zu sehen, die tot zur Seite gekippt auf dem Boden liegt. Schlichter und aussagekräftiger kann man wohl dieses Cover zu dieser Thematik gar nicht gestalten. Allein das da liegende, unschuldige Insekt hat mich schon sehr erschüttert. Mehr braucht und darf dieses Cover eigentlich gar nicht sagen, um so mehr steckt einfach dahinter. Es geht mir unter die Haut.

Die Handlung:
Maja Lunde erzählt in drei Erzählsträngen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) jeweils die Geschichte von drei Protagonisten, die mehr oder weniger mit Bienen zu tun haben.

Nach einer schweren Depression, ausgelöst durch die Abweisung seines Mentors, schöpft der Wissenschaftler William 1852 neue Kraft und entwirft 1852 in England die Savage Stantard-Beute. Ein Bienenstock mit dem die Gewinnung des Honigs vereinfacht wird, ohne dass die Bienen wie beim Strohkorb sterben müssen. Durch diese Erfindung erhofft er sich wieder neue Anerkennung seines Mentors und seiner Familie, insbesondere seines verzogenen und abtrünnigen Sohnes Edmund.

2007: George ist Imker und besitzt seit Generationen in Ohio eine Honigfarm. Er lässt seine Bienen vor allem zur Honig-Produktion, aber auch zum Bestäuben der Obst- und Nutzpflanzen fliegen. Sein Sohn Tom studiert und möchte sich der Schreiberei widmen. Der griesgrämige George sieht dadurch die Zukunft seiner Farm bedroht und die Beziehung zu seinem Sohn droht noch mehr zu scheitern.

Tao kämpft 2098 in Sichuan mit den dystopischen Auswirkungen, die die radikale Ausrottung der Bestäuberinsekten in der Welt mit sich geführt hat. Alle Bienen und andere Blütenbestäuber sind verschwunden und die Nutzpflanzen müssen per Hand bestäubt werden. Bei einem Ausflug in die Obstplantagen mit ihrem Mann Kuan und ihrem 5 jährgen Sohn Wei-Wen passiert ein Unglück. Ihr Sohn bricht bewußtlos zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht. Ab da beginnt für Tao die Odysse auf der Suche nach ihrem verschwunden Sohn.

Buchlayout / Haptik:

Die Gebundene Ausgabe kommt sehr einfach daher. Der Schutzumschlag ist aus einem etwas festeren Ökopapier. Die Biene auf dem Umschlag ist in Glanzlack gedruckt. Schön ist das gelbe Lesebändchen. Jedes Kapitel besitzt als Titel den Namen des Protagonisten, der ebenfalls noch mal in der Fußzeile auftaucht. So weiß man immer sofort, in welchem Handlungsstrang man sich gerade befindet.

Idee / Plott:

Spätestens, als das rätselhafte Massensterben der Bienen in unseren Medien schon vor Jahren behandelt wurde, ist das Bewusstsein aufgekommen für die Blütenbestäubenden Insekten als wichtigste und mächtigste Arbeitskraft der Massenproduktion unserer heutigen Zivilisation. Die Idee, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Zivilisation mit der Biene als medienwirksamen Vertreter darzustellen, fand ich persönlich großartig. Auch die Überlegungen, was passiert, wenn tatsächlich alle Bestäuberinsekten verschwunden sind? Wie geht es mit uns und unserer Erde weiter?

Handlungsaufbau / Spannungsbogen:

Da die drei Stories immer in kleinen parallel laufenden Kapiteln erzählt werden, wechseln sich die Handlungen ab. Ist die eine ruhiger, so passiert gerade was in der anderen. Den Reiz des Buches macht tatsächlich diese Form aus. Leider wirkt dieser positive Effekt sich nicht auf die einzelnen Erzählungen aus. Alle Drei wirken für mich allein betrachtet eher zäh und sind an sich unspektakulär. Die Spannung wird nur durch den Wechsel angetrieben, da die meisten Kapitel mit einem Mini-Cliffhanger enden.

Emotionen / Protagonisten:

Williams Verhalten kann ich am allerwenigsten nachvollziehen. William wirkt wie ein geprügelter Knabe, der nach Aufmerksamkeit heischend seine Umwelt und Familie vergisst und ein unglaubwürdiges Verhalten an den Tag legt. Er erwischt seinen 16 jährigen Sohn beim Zechen und Herumhuren in den Gassen, und was macht er? Er läuft wie ein beleidigtes Kind in den Wald und heult sich dort aus.

Und dafür, dass Tao als (für die Zeit) hochbegabt gilt, ist sie mir viel zu unreflektiert und handelt unüberlegt.

Der Einzige, den ich noch am authentischsten fand, war George. Er ist zwar ein Grantler und kann mit dem Snobismus der „Gelehrten“ nichts anfangen. Seine Gefühle seinem Sohn gegenüber kann ich aber noch am meisten nachvollziehen.

Sprache / Schreibstil:

Alle 3 Protagonisten erzählen in der Ich-Perspektive im Präteritum, und auch entsprechend im Sprachstil der Handlungszeit. Bei Tao ist die Sprache abgehakt, schnörkellos und wird begleitet von kurzen Sätzen. Wilhelm hingegen hat eine altertümliche Sprache mit gestochenen, gehobenen Formulierungen. George hingegen spricht dem Jahr 2007 angemessen, direkt und ehrlich. Sprachlich ist es ansonsten insgesamt relativ einfach gehalten. Wenn ich mir da andere Werke anschaue, die mit viel mehr Raffinesse auch feine, leise Geschichten erzählen können, haut mich dieses hier nicht wirklich vom Hocker. Teilweise empfinde ich sie sogar eher berichtartig, und sehr emotionslos.

Meine Meinung:

Ich finde diese Unterscheidung zwischen den Zeiten und Protagonisten absolut passend und richtig ansprechend. Der Einstieg hatte mich gepackt und konnte ich mich mich zunächst in jede einzelne Geschichte gut einfühlen.

Trotzdem hatte ich dann aber ständig das Gefühl nach dem direkten Zusammenhang suchen zu müssen. Bei William und George kristallisierte sich die Gemeinsamkeit relativ früh heraus, Tao passte da lange Zeit nicht hinein.

Die Bienen-Thematik finde ich hier insgesamt viel zu mau. Erst kurz vor Schluß sitzt Tao in der Bibliothek und knallt uns anhand von Lehrfilmen die eigentliche "Geschichte der Bienen" in 2 Seiten vor den Latz, aber insgesamt so gefühllos. Da ist so viel Brennstoff drinnen, das hätte schon viel früher in Taos Geschichte und dem Leser serviert werden müssen. So wird es nur nebenbei „abgehandelt“ - schade.

Wahrscheinlich bin ich einfach mit einer zu hohen Erwartungshaltung an dieses Buch herangegangen. Ich hatte mir viel mehr Gesellschaftskritik und Dramatik erwartet. Aber im Grunde sind es nur drei parallel laufende Geschichten von Familien, mit ihren gekränkten Eitelkeiten und zwischenmenschlichen Problemen. Am Schluß taucht zwar der gemeinsamen Nenner auf, der ist aber meines Erachtens sehr dünn. Dabei sind alle drei Geschichten in ihrer Handlung so vorhersehrbar, dass es das ganze Buch für mich tatsächlich so zäh wie Honig macht. Einzig die Hoffnung, ob Wei-Wen noch lebt, hat mich angetrieben, das Buch zu Ende zu lesen.

Fazit:

Für mich enttäuschend, da ich nicht das gelesen habe, was mir durch Umschlag und Titel versprochen wurde. Zu wenig Dramatik, zu zähe Geschichten, zu einfacher Sprachstil. Das brisante Thema wurde mir hier zu flach und nebenbei angekratzt.

Düstere Vision, packend mit Tiefgründigkeit und authentischen Emotionen und Protagonisten.

Sakura: Die Vollkommenen - Kim Kestner
Nach dem ich die Zeitrausch-Trilogie von Kim Kestner vor einiger Zeit begeistert gelesen habe, war ich um so glücklicher, dass ich bei der Leserunde zu ihrer neuen Dystopie auf Lovelybooks aus dem Lostopf gezogen wurde! Leider war ich ja schon mit Alea Aquarius schon ziemlich in Verzug, deswegen bin ich ziemlich spät eingestiegen. Aber trotzdem tauschen sich Kim Kestner und ich uns noch sehr nett in der Runde aus!


Das Cover:
Eigentlich bin ich ja etwas skeptisch bei Gesichtern auf Covern. Die Person schaut einen auch sehr direkt und klar in die Augen. Der Blick ist eher emotionslos und könnte auch ein hübsches Jungengesicht sein. Das Gesicht rahmt auf beim ersten Hingucken eine Art Kranz. Zuerst hatte ich eine Harlekins-Halskrause vor Augen. Das ist ein bisschen unglücklich. Aber wenn man genauer hinschaut, besteht diese Umrahmung aus Glassplitter.


Buchlayout (eBook):
Die einzelnen Kapitel sind in einer sehr angenehmen Länge gehalten. Sobald die Handlung die Ebene wechselt, wird eine Zwischenseite eingefügt und zeigt dem Leser noch mal visuell den Wechsel. Das finde ich sehr gut, so konnte ich mich gleich darauf einstellen.


Die Handlung:
Rechtzeitig zur Kirschblüte erlaubt der Kaiser einer gewissen Auswahl an jungen Frauen und Männern der Unterschicht ihre Ebenen zu verlassen und an die Erdoberfläche zur Oberschicht zu kommen. Dafür müssen sich die auserwählten "Blüten“ in drei Prüfungen beweisen, um vollkommen genug für die Privilegierten zu sein. Denn die gekränkte Göttin Amaterasu möchte nicht mit unvollkommenen Nachkommen ihres Bruder Susanoos beleidigt werden. Juri ist nicht hübsch, eher androgyn und hat als Mädchen keine Chancen. Also geht sie ein großes Wagnis ein und mogelt sich als Junge zu den Probanden. Und plötzlich wird der Prinz, der Sohn des Kaisers, auf sie aufmerksam und gefährdet damit Juris Tarnung.


Idee / Plot:
Eine sehr interessante und in sich stimmige Idee. Und leider gar nich so einfach zu erklären, ohne zu spoilern! Kim Kestner hat sich an der japanischen Sagen und Legendenkultur orientiert und dies auf die Zukunft übertragen. Die Dystopie ist sehr düster aber für mich realistisch: wie die klassische Gesellschaftspyramide. In 6 Ebenen unter der Erde leben die Menschen in ihrer Schicht und jede hat ihre Aufgabe. Am untersten Ende die letzte Unterschicht, die Höhle mit den meisten Bewohnern. Die oberste Ebene, die Oberfläche natürlich nur eine Handvoll privilegierte Oberschicht. Jede Ebene ist getrennt voneinander, und nur auserwählten Gardisten ist es erlaubt die Ebenen zu wechseln - sonst wäre die Gefahr einer Rebellion zu groß. Und dabei floriert der Schmuggel und die mafiösen Machenschaften zwischen den Ebenen enorm. Viele weitere Themen sind der Spiegel unserer heutigen Gesellschaft und auf diesen Raum der fiktiven Welt zugeschnitten: Intoleranz, Religion, Machtbesessenheit von Oligarchen und deren Gesellschaftlügen…


Handlungsaufbau / Spannungsbogen:
Man wird direkt in das Geschehen hineingeworfen. Schnell wird dem Leser klar, in welch erdrückenden und düsteren Welt Juri leben muss. Viele geschickt eingebaute Rückblicke geben einem einen Eindruck von ihrem früheren Leben und ihrer Entwicklung zu der Einzelkämpferin. Die Spannung wird auch stetig und geschickt aufgebaut. Die Aufgaben der „Blüten“ werden immer krasser und spannender. Ab dem 2. Drittel des Buches beginnen immer mehr Wendungen die ganze Dramatik auf die Spitze zu treiben, bis es dann in einem enormen Showdown endet. Trotzdem wechseln sich ruhige, emotionale Momente mit aufregenden Szenen ab, die aber für den Handlungsstrang wichtig und absolut passend sind. Das Ende rundet die ganze Geschichte wieder ab und lässt mich sehr zufrieden zurück. Keine Fragen blieben unbeantwortet und ich kann diese Geschichte glücklich aber auch nachdenklich abschließen.


Szenerie / Setting:
Die Autorin hat die Szenen sehr bildreich beschrieben, mir aber genug Platz für meine Phantasie gegeben. Die erste Ebene scheint aus allen Nähten zu platzen und alle sind sich selbst der nächste kommt bei mir sehr gut an! Ich habe den „metallischen Wurm“ direkt vor meinen Augen, wie ich auch die erdrückende Stimmung auffangen kann. Es ist bedrückend und beklemmend, nicht nur eine Höhle, sondern auch eine Hölle. Trotzdem kann man von Ebene zu Ebene die Änderungen nachvollziehen und mitspüren. Um so höher die Ebene, um so mehr Platz ist vorhanden, und um so befreiter wirken die dort lebenden Menschen.


Emotionen / Protagonisten:
Schon als kleines Mädchen musste Juri lernen auf eigenen Beinen zu stehen. Der Vater verstorben, von der Mutter verstoßen, muss sie sich um ihr eigenes Überleben in ihrer Höhle, der 1. Ebene, kümmern. Ich finde sie unheimlich toll! Sie ist nicht die typische Heldin, die sich vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan wandelt. Sondern sie bleibt im Verlaufe der Geschichte immer authentisch und ehrlich. Sie geht sehr umsichtig mit ihrer Umwelt um. Was mich sehr berührt hat, ist, wie sie mit den Toten umgeht. Ihre Essensmarken verdient sie in der Leichenverbrennung. Sie muss die Toten vom Schacht der oberen Ebenen in die Brennkammern geben. Jeden Leichnam nimmt sie ehrfurchtsvoll in Empfang und opfert für ihn eine Handvoll Reis auf ihrem kleinen Altar. Aber sie ist eine Einzelkämpferin, die durch ihr frühes Schicksal keine Emotionen an sich heran lassen möchte. Aus Angst davor wieder verraten und verletzt zu werden. 

Prinz Haruto ist zunächst sehr undurchsichtig und wirkt ziemlich arrogant und dekadent. Aber er scheint irgendein Interesse an Juri zu besitzen. Ich finde ihn als Figur sehr überraschend und auch irgendwie attraktiv. Er beginnt zu begreifen, dass die Wahrheit nicht überall gleich ist und verlangt von Juri ehrlich zu ihm zu sein.

Als nähere Begleiter gibt es vor allem Dom zu erwähnen. Er ist der liebenswerte Kumpel, der eine besondere Beziehung zu ihr aufbaut. Anfangs wehrt sie sich sehr dagegen, aber sie begreift, dass sie in Dom einen wertvollen Partner hat. Rebecca ist die abgedrehte Nudel, die aber trotzdem einen sehr wichtigen Stellenwert in Juris Leben innehält. Das wird sich Juri im Laufe der Zeit auch eingestehen.


Sprache / Schreibstil:
Kim Kestner hat einen sehr eingängigen und authentischen Sprachstil. Ohne Schnörkel aber direkt und ehrlich. Mir gefällt es sehr gut! Sie hat auch nicht zu viele japanische Fachbegriffe verwendet und das Buch lässt sich super schnell und flüssig lesen. 

Meine Meinung:
Die Idee von getrennt Gesellschaftsschichten als Dystopie ist nicht neu. Und zugegeben kenne ich nicht sooo viele Dystopien. Aber diese Idee ist wirklich krass und die Geschichte ist aufreibend. Sie behandelt auch viele gesellschaftliche Themen als Spiegel für uns heute. Und so finde ich, muss es sein! Juri ist emotional und berührend und vor allem authentisch in ihrem Handeln. Besonders beeindruckt hat es mich auch, dass die ganze Fiktion zwar grausam und barbarisch, aber nicht blutrünstig ist. 
 
"Man glaubt wohl immer nur das, was man gesagt bekommt, solange man es nicht mit eigenen Augen sieht.“ Pos. 2469 (eBook, individuelles Leseexemplar von DIGI:TALES, Arena Verlag GmbH Würzburg)

Die japanische Legende der Amaterasu und Susanoos ist geschickt als übergreifende Thematik aufgebaut und ist ein ganz wichtiges Element in der Gesellschaft. Glaube und Religion. Aber was ist Wahrheit und was Glaube. Was ist Lüge? Nach welcher Wahrheit und welchem Glauben will man leben, bzw. welche Wahrheit will man hören? 
 
Auch die kleinen emotionalen Stellen haben es mir sehr angetan. Das zeigt auch, dass eine Dystopie nicht immer martialisch und oberflächlich sein muss, sondern kann auch ihre ganz feinen Momente haben! Ganz großartig!
 
Auch wenn man in der ersten Hälfte als geübter Leser vermutet, dass nichts so ist, wie es scheint (und das Ende vielleicht für den ein oder anderen vorhersehbar war, fand ich die Plottwists trotzdem genial umgesetzt. Mir gefällt mehr die Glaubwürdigkeit und die gesellschaftliche Kritik, die dahinter steckt. Die Vorhersehbarkeit ist für mich nicht schlimm.

Fazit:
Ich bin von der Geschichte sehr begeistert. Eine fesselnde Dystopie mit Tiefgang und authentischen Protagonisten in einem stimmigen Setting mit Liebe, Freundschaft, Glaube und Macht.

Phantastisches und magisches Abenteuer mit viel Gefühl und Spannung

Alea Aquarius. Das Geheimnis der Ozeane: Band 3 - Tanya Stewner, Claudia Carls
Das dritte Band der Alea Aquarius Saga durfte ich im Rahmen einer Leserunde auf lovelybooks.de mit der Autorin Tanya Stewner lesen. Leider war ich durch die LBM so zeitlich im Verzug, dass ich ziemlich spät in die Leserunde eingestiegen bin.


Das Cover:
Claudia Carls zeichnet sich für die Cover der Alea-Reihe verantwortlich und ich bin begeistert von ihrem Illustrations-Stil. Auf diesem Cover sieht man Alea und Lennox, die sich gegenseitig halten. Lennox als Oblivion sieht man den Beschützerinstinkt in sein Gesicht geschnitten: misstrauisch, aber auch unscheinbar. Seine Augen hinter seinen Wuschelhaaren versteckt, so als könnte man ihn übersehen. Alea blickt einen wach, neugierig aber auch ein bisschen nachdenklich an. Das Ganze wird mit dem Titel des Buches in der wunderschön gezeichneten Handschrift aufgewertet. Der Hintergrund wuselt so von blaugrünen Wellen. Ein ganz tolles Bild, welches sich perfekt zu seinen 2 Vorgängern gesellt.


Buchlayout / Haptik:
Jede Kapitelüberschrift ist liebevoll mit einer ganz individuellen Zeichnung verziert, ganz im Stile des Buchtitels. Auf jeder Seite befinden sich Wasserklekse und peppen das Buch einfach noch mal auf. Das gefällt mir einfach! Da sieht man, dass das Buch mit Liebe gestaltet worden ist! Großartig! Das Buch ist mit seinen knapp 450 recht dick, die Schrift ist aber angenehm und die Seiten sind schnell gelesen. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, die einem nicht den Lesefluss stören.


Die Handlung:
Alea und Lennox sind nach ihrem Trip zum Loch Ness wieder glücklich zurück auf der Crucis und segeln wieder gemeinsam mit Ben, Sammy und Tess als Alpha-Cru nach Island. Dort wollen sie Aleas Vater Keblarr finden, der angeblich mit ein paar anderen Meermenschen vor dem Virus überlebt hat. Außerdem lernen Sie einen Doktor Orion kennen, der sich der Wissenschaft und der Bekämpfung des rätselhaften Viruses verschrieben hat. Alea ist begeistert und möchte mit Orions Hilfe die verschollenen Meerkinder wieder finden. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, vielleicht doch wieder mit den Meermenschen im Meer leben zu können. Doch da gibt es eine seltsame Prophezeiung und Alea kann auch nicht verstehen, warum Lennox so misstrauisch ist.


Idee / Plot:
Als Fortsetzung zum 1. und 2. Band fügt sich das 3. Buch nahtlos an. Ein junges Mädchen, dass mit der anfänglichen Liebe, neuartige Gefühle aber auch mit ihrer Vergangenheit zurecht kommen muss. Dabei lastet auch die Prophezeiung und ihr Wunsch nach einer neuen Meerwelt auf ihren Schultern. Die junge Liebe zu Lennox ist für Alea noch sehr ungewohnt. Aber auch die Gefühle ihrer Freunde und das Sortieren ihrer eigenen Gefühlswelt ist für Alea eine großer Herausforderung. Alea begegnet wieder einige (neue) Magische und Meerwesen. Zudem bekommt sie eine Prophezeiung zu hören, die sie einerseits einschüchtert, andererseits aber die Hoffnung und den sehnlichsten Wunsch einer gemeinsamen Zukunft der Meer- und Landwelt aufkeimen lässt.


Handlungsaufbau / Spannungsbogen:
Im ersten Teil segelt die Alpha-Cru zunächst Richtung Island und Alea begegnet unter und über Wasser einige kleine Abenteuer und magische Wesen. Ab der Hälfte wird das Buch immer spannender, denn die Alpha-Cru gerät gemeinsam in ein Abenteuer, welches sie in einem spannenden Showdown meistern müssen. Es gibt dann auch einen Plottwist, den man durch Lennox Argwohn schon irgendwie vermutet hatte. Einige Wendungen treiben die Spannung auch weiter an. Die Spannung wird also stetig aufgebaut und erreicht einen tollen Höhepunkt. Trotzdem ist die eigentliche Gefahr (noch) nicht gebannt und wir werden in den nächsten Bänden noch weiter mit Alea mitfiebern können.


Szenerie / Setting:
Tanya Stewner versteht es, die Handlung in phantasievollen Szenen spielen zu lassen. Jede Umgebung konnte ich mir direkt vorstellen und passt optimal zur Handlung. Ich kenne Island auch nur von Fotos, aber ich habe alles bildlich vor Augen. Aber auch die Unterwasserwelt (oder das, was von ihr übrig ist) ist phantasiereich und toll dargestellt und lädt einem selber zum Träumen ein. Tanya Stewner hat in der Alea-Welt bereits eine sehr kreative Idee geschaffen und in diesem Buch kommen noch weitere Einfälle hinzu. 


Emotionen / Protagonisten:
Alea wird immer kühner und kann inzwischen mit ihrer Gabe gut umgehen, trotzdem wirkt sie immer wieder etwas naiv und manchmal auch etwas dickköpfig. Und handelt mir dann manchmal nicht weitsichtig genug. Alea bleibt trotz ihrer Meeresgabe ein junges Mädchen, dass nun selbst auch Gefühle entwickelt, verstehen und zulassen muss. Sie kann aber auch sehr nachdenklich und reflektierend sein. Sie liebt alle ihre Freunde und leidet sehr darunter, wenn es einem Alpha-Cru-Mitglied nicht gut geht. Sie ist da manchmal einfach auch etwas zu gutgläubig und möchte gerne moralisch korrekt sein. Trotzdem konnte ich mich in Alea sehr gut einfühlen und ihr nachempfinden. Ihre Gedanken waren immer ehrlich und authentisch. Und ich denke, dass sich 12-jährige Mädchen gut mit ihr identifizieren können.

Lennox könnte ich manchmal schütteln vor lauter Verbohrtheit! Aber gut, ich kann ihn ja auch irgendwie verstehen. Er ist ja ein Oblivion und Aleas Beschützer - und in sie tierisch verliebt. Argwohn gehört zu ihm dazu. Aber ich fand ihn unheimlich toll. Lennox leidet sehr darunter, kein ganzer Meermensch zu sein und Alea unter Wasser einfach keine Hilfe sein zu können. Ich konnte ihm das unheimlich gut nachempfinden. Dafür stellte er aber seine Oblivion-Fähigkeiten an Land um so mehr unter Beweis!

Manchmal ist mir Ben zu sanft, dafür, dass er doch die Verantwortung für alle 4 zu tragen hat. Da hätte ich mir von ihm schon mehr Vehemenz und Autorität gewünscht. Sammy ist und bleibt der Sonnenschein, neugierig und verkuschelt. Mutig aber größtenteils einfach noch ein Kind. Die liebe Tess nimmt anfangs einen größeren Raum ein und hat ein stilles Plätzchen in meinem Herz erobert. Die ansonsten so toughe und starke Tess zeigt sich diesmal von einer ganz anderen, für mich überraschenden aber positiven Seite.


Sprache / Schreibstil:
Die Sprache ist flüssig und eingängig. Sie passt hervorragend für das jugendliche Publikum ab 10 Jahren, ohne zu kindisch oder kindlich zu sein. Also auch für mich "Alte" ein tolles Leseerlebnis. Die Seiten fliegen nur so dahin und es ist an keiner Stelle langweilig. Die vielseitigen Themen werden geschickt eingeflochten, ohne den moralischen Zeigefinger zu schwingen.


Meine Meinung:
Im ersten Teil empfinde ich es etwas zu viel an vielen unterschiedlichen Ereignissen, denen Alea begegnet und lässt mir das Buch etwas unruhig erscheinen. Es dient aber als Vorbereitung zur 2. Hälfte, in der ich die Handlung wesentlich homogener finde. 

Tanya Stewner hat es verstanden, nicht nur das Segelabenteuer und die Suche nach Aleas Vater und der Erfüllung ihres Wunsches als Handlungsstrang aufzubauen, sondern verknüpft das auch mit der emotionalen Spannung und den zwischenmenschlichen Beziehungen, die nicht nur Alea erst mal begreifen und durchleben muss. 

Es gab ein paar Szenen, die mich sehr berührt haben. Sammy ist nun mal ein kleiner Junge und als Mutter eines Gleichaltrigen kann man da seine Gefühle nicht zurück halten.

Nebenbei werden auch Themen wie Flüchtlingsproblematik und Umweltverschmutzung eingebaut, ohne belehrend zu sein, und regen vor allem auch den jugendlichen Leser zum Nachdenken an. Es gibt viele Facetten die eine gefühlvolle und abenteuerreiche Geschichte entstehen lassen. Ich kann verstehen, dass meine 12-jährige Tochter das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Es nimmt einen immer weiter mit.

Das Ende gibt dann einen auch noch die Aussicht auf die nächsten Abenteuer, die die Alpha-Cru noch bestehen muss. Es gibt neue Gaben, die Alea lernen muss zu beherrschen und neue Meermenschen, die sie gerne besuchen möchte.
 
Und dennoch finde ich auch, dass es doch etwas zu viel an neuen Dingen, neuartigen Wesen, neuen magischen Begabungen und zwischenmenschlichen Ereignissen war. Nicht nur die Begegnung mit dem Vater, die Alea verarbeiten muss, auch die emotionale Achterbahn mit Lennox und Tess. Die dramatische Umweltverschmutzung, die verzweifelte Suche nach ihrer Zwillingsschwester und der sehnliche Wunsch andere Meermenschen zu finden. 


Fazit:
Ein tolles und facettenreiches Abenteuer mit sehr viel Gefühl, Spannung und Magie. Das Buch ist ein tolles Leseerlebnis nicht nur für junge Leser! Wer die ersten beiden Bücher gelesen hat, darf dieses hier nicht verpassen!


Cover: ★★★★★ (5 von 5)
Buchlayout / Haptik: ★★★★★ (5 von 5)
Idee / Plot: ★★★★☆ (4 von 5)
Handlungsaufbau / Spannungsbogen: ★★★★☆ (4 von 5)
Szenerie / Setting: ★★★★☆ (4 von 5)
Emotionen / Protagonisten: ★★★★☆ (4 von 5)
Sprache / Schreibstil: ★★★★★ (5 von 5)
Gesamt: 4,4
17 - Das vierte Buch der Erinnerung (Die Bücher der Erinnerung 4) - Rose Snow

Eigentlich war die Reihe "17 - die Bücher der Erinnerung" mit dem → 3. Band abgeschlossen, welches die Geschichte auch in einem fulminanten Showdown abschloß. Aber das Autorinnenduo Rose Snow legte nun mit dem 4. Band ein Sequel nach - und das hat es wirklich in sich!

 

Das Cover: 

Auch das vierte Band fügt sich in die Cover seiner Vorgänger ein und erscheint diesmal in orange/gelb. Das Cover passt in die Reihe, ich finde es schön, zeigt aber nichts Neues.

 

Die Handlung: 

Nachdem die Jägerschaft erfolgreich bekämpft wurde und die Erinnerungen in den Köpfen der Jäger gelöscht wurden, erfahren Jo und Adrian von neuen Bedrohungen: Es soll angeblich Jäger geben, die durch ein Serum vor dem Erinnerungsbrand geschützt waren. Zusätzlich werden die Beschützer zu einem Problem für die Seherinnen, da sie mit dem Wegfall der Jägerschaft wohl selber Angst vor der Macht der Seherinnen bekommen. Nebenbei versuchen die Seherinnen eine geheimnisvolle Prophezeiung zu entschlüsseln, die aber im Moment nur sehr kryptisch ist und auf ein bis dahin geglaubtes Märchen hinausläuft: Kinder mit besonderen Begabungen, die aus der Verbindung zwischen Seherin und Jäger entspringen.

Eigentlich wollte Jo aber nur ihre Pause zwischen schriftlicher und mündlicher Abituprüfung mit Adrian genießen. Doch plötzlich passieren immer mehr seltsame Dinge in ihrer Umgebung und ihre Freunde beginnen sich merkwürdig zu verhalten.

 

Buchlayout (eBook):

Das gesamte eBook ist in genau 17 Kapitel eingeteilt. Jedes Kapitel hat eine gute Länge und wird liebevoll eingeleitet mit, wie wir es schon aus den ersten Bänden kennen, dem veschnörkelten Schlüsselchen.

 

Idee / Plot:

Als logische Konsequenz, die aus der totalen Zerstörung der Erinnerungen an die Jägerschaft im Gedächtniss aller Jäger resultiert, gibt es eine neue Bedrohung für die Seherinnen. Denn die Fragen, die sich durch die radikale Auslöschung des Gedächtnisses von Marius und den Jägern zwangsweise doch einstellen, werden hier sinnvoll aufgegriffen und weiter gesponnen. Ich finde die Idee total schlüssig und stimmig, sie fügt sich nahtlos an die ersten drei Bücher an, ohne dass man das Gefühl hätte, es wäre jetzt an den Haaren herbei gezogen. Man sollte aber definitiv die ersten drei Bände gelesen haben, sonst kann man dieses Buch nicht verstehen.

 

Handlungsaufbau / Spannungsbogen:

Schon gleich zu Anfang wird man in das Geschehen hineingezogen. Durch kurze Rückblicke erhält man noch mal Informationen aus den ersten drei Bänden, ohne dass es im Lesefluss störend wäre. So bin ich auch wieder schnell in die Geschichte hinein gekommen und konnte mich sofort wieder in Jo einfühlen. Die Spannung wird stetig aufgebaut, jedes Kapitel setzt noch mal ein Schippchen drauf. Die Handlung wird nie langweilig, ständig passiert etwas - etwas unheimliches, lustiges, wie auch romantisches. Die Autorinnen flechten geschickt mehrere unheimliche Elemente ein. Es ist bis zum Showdown nicht klar, wer hinter der eigentliche Bedrohung steht.

Die Handlung ist in sich abgeschlossen und alle Fragen, die sich während des Lesen aufgetan haben, wurden auch zu meiner vollen Zufriedenheit und stimmig beantwortet.

 

Szenerie / Setting:

Wie von den Autorinnen gewohnt, konnte ich mir alles sehr gut vorstellen. Jede Szene wird ausführlich, aber nicht überschwenglich beschrieben. Die Umgebung ist bildhaft dargestellt und wirkt für mich authentisch. Kurze Beschreibungen geben einem schnell ein Bild von den Räumen und der Szenerie, in der sich die Protagonisten gerade befinden. Die Personen sind gut ausformuliert und haben ihren typischen Charakter ohne stereotypisch zu wirken.

 

Emotionen / Protagonisten:

Jo empfinde ich als sehr reif, überlegt und reflektiert. Sie ist sehr besorgt um ihre Familie und Freunde, und würde alles für ihr Wohl tun. Sie gefällt mir sehr gut und ich mag sie sehr. Ich finde es auch toll, dass sie ihre Gabe nicht für Schummeleien, zum Beispiel für die Abiprüfung, einsetzen möchte, sondern damit auch sehr bedacht umgeht. Adrian ist für mich ein wenig blass. Er hat seine ganz tollen Momente, aber ich konnte ihn nicht ganz so greifen. Das liegt auch daran, dass er sich selber sehr bedeckt hält.

Ich liebe Finn, ihren Stiefbruder - den habe ich total in mein Herz geschlossen. Trotz Macho-Sprüchen und Proleten-Gehabe hat er einen fürsorglichen und sehr liebevollen Kern. Das kommt immer wieder ganz fein heraus und finde ich absolut großartig! Ebenso Conny, mit der ich auch gerne befreundet wäre. Sie ist eine absolut loyale Freundin, hat ihren eigenen Kopf und ist der bunte Vogel geblieben. Diesmal bekommt Jos Freundin Pippa aus Wien mehr Raum. Die mochte ich auch schon in den ersten Büchern nicht, und zeigt sich auch in diesem Buch von ihrer sehr arroganten Seite. Sie wird auch zur harten Konkurrenz für Conny.

 

Sprache / Schreibstil:

Was soll ich sagen, wie gewohnt absolut spritzig und frech in ihren Sprüchen. Über die Schlagabtausche, vor allem mit Finn, kann ich mich immer köstlich amüsieren. Die Sprache ist flüssig und dem Genre absolut angemessen und gängig. Das ganze Buch lässt sich locker in einem Rutsch lesen und zieht einem von Seit zu Seite immer mehr mit.

 

Meine Meinung:

"[..] Die eine, allgemeingültige Realität gibt es doch gar nicht. Jeder Mensch hat seine eigene Wirklichkeit, die durch seine Empfindungen, Wünsche und auch durch seine Vorurteile geprägt wird. [..]"

S. 77, Rose Snow "Das Vierte Buch der Erinnerung" (eBook - CreateSpace Independent Publishing Platform)

Ein ganz tolles Buch, welches mich sofort gepackt hat. Es fügt sich nahtlos in die Reihe ein und war wirklich spannend bis zum Schluß. Es ist absolut großartig, wie die Autorinnen den Faden aus der Trilogie aufgenommen haben und sehr geschickt daraus die neue Bedrohung entwickelt haben. Am Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand nehmen.

Und auch genau dieses Wechselspiel zwischen der Liebesgeschichte - Adrian und Jo können nun endlich ihre Beziehung ausleben - den frechen und amüsanten Wortgefechten und Kabbeleien, und der Dramatik gefällt mir besonders gut. Keines wird zu übermächtig, sondern es ist sehr ausgewogen und geben sich gekonnt die Hand.

 

Es wird am Schluß nur mal wieder sehr verwirrend mit den ganzen Sprüngen und Träumen. Ob man das konzeptionell anders hinbekommen hätte, weiß ich nicht, da es ein wesentlicher Anteil des Showdown ist. Man muss nur enorm aufpassen nicht den Faden zu verlieren, sollte diese Passagen also in einem Stück lesen.

Fazit:

Ein absoluter Pageturner mit einem tollen Plot und flottem Schreibstil. Ein Lesegenuss mit Suchtgefahr - und ich bin mir sicher, dass dies nicht das allerletzte Band bleibt in dieser Saga! Wer die ersten drei Bände gelesen hat, wird mit diesem Buch bestimmt sehr glücklich.

Meisterliches Werk mit über 350 Rezepten und beeindruckenden Fotos im fantastischen Layout

Die Kraft der Kräuter nutzen. 350 Rezepte und Tipps für Wohlbefinden, Schönheit, Küche, Haus und Garten - Irene Hager, Alice Hönigschmid, Astrid Schönweger

  

Pünktlich zu Ostern und zum Frühlingsanfang möchte ich Euch ein ganz besonderes Buch vorstellen. Es ist nicht nur eine einfache Rezeptesammlung, es ist ein bombastisches Werk rund um Kräuter!


Es ist die lang versprochene Fortsetzung des großartigen Werkes » "Südtiroler Kräuterfrauen" der gleichen Autorinnen.

Cover:
Das Buch gibt es in zwei Versionen, hat aber exakt den gleichen Inhalt. Ich habe die Version "Die Kraft der Kräuter nutzen", welches im Löwenzahn in der Studienverlag GmbH erschienen ist. Das gleiche Buch gibt es im Südtiroler Athesia/Tappeiner Verlag. Dort lautet der Titel "Die Kraft der Südtiroler Kräuter nutzen".


Auf dem Cover sieht man ein Foto eines angenehmen Durcheinanders von Kräutern, Tigeln und Beeren. Der Titel ist in einer einfachen Sans-Serifen gesetzt bei der die Wörtern Kraft und Kräutern durch fette Schriftzeichen und Glanzlack akzentuiert werden.


Buch-Layout / Haptik:
Das Buch ist nicht nur eine einfache Sammlung, es ist ein dickes Werk mit über 455 Seiten! Der Rücken ist mit Leinen gebunden und verleiht dem Ganzen eine edle Haptik, die durch ein weinrotes Lesebändchen ergänzt wird. Es ist richtig schwer: knappe 2 Kilo wiegt es! Aber auf den Inhalt kommt es an - und der hat es neben der Dicke und dem Gewicht ebenfalls in sich!

Jedes Rezept wird mit mindestens einem Foto begleitet. Markante Seitentitel führen ein Rezept ein. Seitlich in einer übersichtlichen Marginalspalte werden die Zutaten aufgelistet. In abgesetzten Infoboxen mit dekorativen Illustrationen kann man sofort Wissenswertes zu dem Rezept oder Kraut ablesen. Die Zubereitung wird in ordentlichen Absätzen und in klaren Sätzen angeleitet. Alles in allem ist das Layout und der Schriftsatz absolut durchdacht und aufgeräumt. Alles stimmt, die eingesetzte Schrift ist angenehmen zu lesen und durch die verschiedenen Elemente wirkt die Seite aufgeräumt.


Der Inhalt:
Das Buch hat einen wahnsinnig komplexen Inhalt. Ohne Inhaltsangabe am Anfang wäre man wohl aufgeschmissen. Auf die einzelnen kleineren Abschnitte einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen. Deswegen führe ich nur die vier großen Bereiche auf:

Alles rund um Kräuter als Mittel für die Hausapotheke wie z.B.: Käutertees, aber auch Sirupe & Honige, Kräuter-Zuckerln, Tinkturen und Schnäpse, Salben, Cremes und und und.

Produkte für Körper- und Schönheitspflege wie z.B.: Haut- und Haarpflegeprodukte, Badezusätze, Deodorants etc.

Das größte Kapitel geht natürlich über Kräuter in der Küche. Angefangen bei Durstlöschern und Getränken, sowie Sirupe und Brote. Selbstverständlich Pestos, Aufstriche und Dips, Suppen. Aber auch ganze Gerichte mit Kräutern als Hauptzutat oder Kräuter als Würzbeilage. Natürlich darf auch der süße Gaumen nicht fehlen mit Marmeladen und Chutneys.

Im Haus und Garten gibt es Rezepte mit Kräutern als Duftspender, Raumsprays, zum Räuchern und Putzen und als Gartenhilfsmittel.

Es ist wirklich alles dabei und so umfangreich. Hier konnte ich wirklich nur einen kleinen Abriss vom ganzen Inhalt wiedergeben.



Zunächst aber wird das Buch nach der Inhaltsangabe mit begleitenden Worten der Autorinnen eingeleitet, in dem sie die vier großen Bereiche erläutern, die Herkunft der gesammelten Rezepte erklären und dem Leser Informationen zur bestmöglichen Nutzung des Buches geben.

Jeder Bereich wird mit einer ausführlichen Einführung eingeleitet und bebildert. Und jeder Unterbereich selber erhält mindestens einführende Worte.

Nach dem riesengroßen Rezeptteil gibt es noch mal eine sehr schöne Auflistung der Kräuterfrauen, von denen die Rezepte stammen.

Ein umfangreiches Quellenverzeichnis, Glossar, und Kräuterregister runden das perfekte Gesamtbild des Buches ab. 


Die Fotos:
Wirklich jede Seite hat mindestens ein Foto. Alle Fotos wurden von Alice Hönigschmid geschossen und in das Layout gebracht. Es ist wahrlich eine Meisterleistung, über 1000 (!) Fotos zunächst erst mal zu erstellen und diese dann auch noch anzupassen. Technisch sind die Fotos einwandfrei, fügen sich auf jeder Seite fantastisch ein und unterstreichen diese. 


Meine Meinung:
Wow, was für ein Buch, was für ein Werk! Es macht Lust in diesem Buch zu blättern und sofort in seinen Garten zu stürmen oder lässt einem das Wasser im Mund laufen. Jede Seite ist so liebevoll gestaltet und wird perfekt durch die ganzen Informationen und Fotos ergänzt. Die vielen zusätzlichen Informationen geben noch weiteres Hintergrundwissen ohne aber zu tief in die Thematik abzudriften. Denn das wäre tatsächlich zu viel für dieses Buch und es gibt schon sehr viele ausführliche Sammlungen, die sich nur mit der Wirkung von Kräutern beschäftigen.

Man darf es allerdings auch nicht mit einem einfachen Büchlein für Hausmittelchen für einfache Wehwechen verwechseln! Vielmehr soll es dazu anregen sich intensiver mit Kräutern und deren möglichen Verwendung zu beschäftigen. Es gibt auch mehr Raum für ausgefallenere Kräuter, die nicht in der üblichen Hausapotheke vorhanden sind - aber vielleicht im heimischen Garten.

Die Rezepte sind alle durchgehend einfach gehalten und für jeden schnell und problemlos nachzumachen, sofern man die Kräuter auch vorrätig und greifbar hat. Die Anleitungen sind ohne kompliziertem Schnick-Schnack klar und deutlich formuliert, dafür aber in der Gesamtheit so vielfältig.

Fazit: Ein absolutes Must-Have für jeden Kräuterliebhaber und Kräuterkenner, der sich insbesondere mit der Verwendung für Kräuter auseinandersetzen möchte. Es regt definitiv an selber mehr auf Kräuter zu achten und in der Küche wieder vermehrt einzusetzen.

Es gibt sonst kein Werk mit so vielen, vielfältigen Rezepten und hübschen Fotos. Es ist in seiner Art einmalig und einzigartig!
 
Cover: ★★★★★ (5 von 5)
Buchlayout / Haptik: ★★★★★  (5 von 5)
Inhalt / Umfang: ★★★★★  (5 von 5)
Fotos: ★★★★★  (5 von 5)
Machbarkeit der Rezepte: ★★★★☆  (4 von 5)

Köstlicher Humor und blumige Romantik mit gefühlvollen Momenten!

Erst die Liebe, dann das Vergnügen - Colleen Oakes
Da mir die Leseprobe sehr großen Spaß gemacht hat, habe ich mich um ein Rezensionsexemplar beworben und von vorablesen.de und über NetGalley.de jeweils eines erhalten. Ich möchte mich hiermit noch bei beiden Plattformen dafür sehr bedanken. Nachdem ich doch etwas Bammel hatte, ich hätte mich mal wieder vergriffen und eine kitschige Liebesromanze ausgesucht, hat mich dieses Buch tatsächlich überrascht! 
 
 
Cover / eBook-Layout: 
Auf einem weißen, abgewetzten Holztisch tummeln sich Flieder- und Rosenblüten zu rosa Zuckerdekor in Herzfrom. In der Mitte zeigt ein Holzherz-Anhänger den Titel des Buches. Leider ist das Arrangement ziemlich kitschig. Zudem sind die einzelnen Bild-Elemente nicht sauber in das Bild montiert, der Schattenwurf und die Perspektive stimmen nicht überein. Hier hätte man doch ein eigenes Foto aufnehmen sollen, in dem alle Elemente direkt auf dem Set vorhanden sind. 


Das Buch ist in recht kurze Kapitel eingeteilt, so dass es insgesamt 36 Abschnitte gibt. Das macht das Lesen von dem recht großen Buch (über 500 Seiten) doch recht angenehm. Etwas schade finde ich, dass die Kapitelanfänge, außer der Nummer, keinen Titel tragen und/oder nicht hübsch verziert wurden. Gerade durch das Blumenthema hätte man die perfekte Möglichkeit gehabt, zu jedem Kapitel eine Illustration hinzusetzen zu können und hätte insgesamt das eBook damit aufpeppen können. 


Die Handlung: 
In St. Louis ist die etwas pummelige und unselbstsichere Elly Jordan eine gefeierte Floristin. Sie führt eine Edelblumenboutique und muss sich mit Brautzillas und ihren Müttern herumschlagen. Aber trotzdem geht sie in ihrem Beruf auf, da sie erfolgreich ihr altes Leben verdrängt hat und ihre Kreativität in ihrem Handwerk ausleben kann. Denn nur 2 Jahre zuvor ist sie von ihrem Ehemann geflohen, den sie mit einer Studentin im ehelichen Bett erwischt hat. In ihrem neuen Leben ist inzwischen alles perfekt, wäre da nicht der rassige neue Nachbar, und dieser neue Auftrag für die opulenteste Hochzeit, die sie sich je vorstellen konnte und all ihre Kapazitäten übersteigt. 


Plot / Handlungsaufbau: 
Die Handlung ist trotz der Dicke des Buches nicht langweilig. Zunächst kann man nicht ganz verstehen, warum Elly so an dem Ehebruch ihres Mannes innerlich zerbrochen ist. Doch durch geschickt eingefügte Rückblicke über das Buch verteilt, beginnt Elly ihr Leben selber zu reflektieren. Als Leser begreift man dann auch, warum Elly ihren Ehemann Aaron zu ihrem Anker in ihrem Leben gemacht hat und er durch die Affäre nicht nur die Ehe, sondern auch Ellys Vertrauen zerstört hat. 


Es gibt nicht nur romantische und amüsante Momente, sondern auch sehr schöne berührende Momente. Als Elly ihre Mutter in den Tod begleitet war ich sehr ergriffen. Der Wechsel ist spannend, man taucht immer mehr in Ellys Gefühle ein und wird selber in den Sog und die Spannung auf den Höhepunkt dieser Wahnsinns-Hochzeit hineingezogen. Die Katastrophen häufen sich und die Ausrichtung der Hochzeit ist eigentlich nur zum Scheitern verurteilt. 


Emotionen / Protagonisten: 
Elly ist unglaublich greifbar und ich kann ihr sehr nachempfinden. Sie ist pummelig, unsicher, aber auch in ihrem Herzen zerstört. Ihre Anerkennung bekommt sie von ihren neuen Freunden und ihren Kunden. Den Ehebruch hat sie nie wirklich verarbeitet sondern verdrängt jegliche Gefühle im Zusammenhang mit ihrem Ex-Mann. Aber trotz perfekten Neuanfang, trotz dem perfekten neuen Leben, fühlt sich Elly allein und ist innerlich sehr traurig. Auch wenn Sie versucht ihre Vergangenheit zu vergessen, ist sie immer allgegenwärtig. Und so tollpatschig sie ist, so schnell schlittert sie auch von einer Katastrophe in die Nächste! Mit dabei immer die innere Zerrissenheit zwischen gefeierter Floristin und verunsicherten Mauerblümchen. Dass das alles mal zum Ausbruch kommen muss, wird im Laufe des Buches klar und ich bin begeistert von Ellys explosionsartigen Wendepunkt! Auch ausgelöst durch Isaac, den rassigen neuen Nachbarn, der sie trotz ihrer Kurven als Muse begehrt, bei dem ich von Anfang an nicht sicher war, was er im Schilde führt. 


Ich liebe auch Ellys Freunde. Kim ist die beste neue Freundin und steht ihr in jeder Situation bei. Sie ist Ellys engste Vertraute und arbeitet zunächst mit in der Boutique. Von Anfang an haben sich beide gefunden und vertraut. Kim und ihr Ehemann Sean haben Elly nach ihrer Flucht aufgenommen und aufgepäppelt. 


Keith Carcelo, Besitzer des Delikatessengeschäfts mit den köstlichsten Sandwiches, ist immer da, der unsichtbare Halt und kümmert sich selbstlos um Elly. Er geht mit Ellys lethargischen Hund Cadbury spazieren, und stürmt das Geschäft mit dem Baseballschläger um potenzielle Einbrecher zu verjagen. Aber sein Potenzial erkennt Elly leider viel zu spät. Patzella ist köstlich! Ich könnte sie knutschen. Ellys jugendliche und ausgeflippte Mitarbeiterin macht eine wunderbare Wendung durch und entpuppt sich als absolut loyal. Obwohl sie mit ihrem extravaganten Auftreten immer für Aufregung sorgt. Beide habe ich im Laufe des Buches sehr in mein Herz geschlossen und finde sie wunderbar! 
Dann wäre da auch noch Sunny, die Mutter der Braut, deren opulenteste Hochzeit Elly mit Blumen versorgen muss. Sie ist ein Ruhepol und beginnt in Elly eine gewisse Rolle einzunehmen und wird ein wichtiger Teil für sie. Ich mag Sunny sehr. 


Szenerie / Setting: 
Unglaublich toll und bildhaft beschreibt Colleen Oakes die verschiedenen Blumenarrangements mit treffenden Wörtern. Man kann sich sofort in alles hineinversetzen und hat die Blüten und Bouquets direkt vor Augen und kann sie selbst riechen. Trotz sehr ausschweifenden Beschreibungen der Blütenexplosionen, nehmen sie aber nicht überhand. Man hätte teilweise hier reduzieren können, aber ich finde sie nicht störend und hatte auch nicht das Gefühl hier überspringen zu müssen. 


Sprache / Schreibstil: 
Collen Oakes schreibt großartig aus der Erzählperspektive der 3. Person. Die blumige und metaphornreiche Sprache hat mir sehr gut gefallen und auch immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Oft auch sehr witzig und pointiert, mit treffender und sarkastischer Wortwahl, aber ohne überspitzt zu wirken. Geholfen hat auch Ellys Tollpatschigkeit, mit der sie sich immer selber wieder in peinliche Situationen reitet. Colleen Oakes flechtet gekonnt Romantik, gefühlvolle Momente und urkomische Szenen ineinander und lassen das Buch kaum langweilig werden. Die Sprache ist flüssig und aber einfach gehalten, ohne komplizierter Satzgeflechte. Es liest sich trotz vieler Seiten schnell. 


Fazit: Das gesamte Buch hat mir wirklich richtig Spaß gemacht. Man fiebert am Schluss mit Elly dem Höhepunkt entgegen und möchte selber aufschreien, als immer mehr Katastrophen ihren Auftrag zu scheitern drohen. Man weint mit ihr, man flucht und man lacht mit ihr. Ganz großartig und überraschend gefühlvoll!

Enttäuschend, kitschig und voller Klischees.

Meer Liebe auf Sylt: Ein Glücksroman - Claudia Thesenfitz
Mein drittes Buch aus vorablesen.de ist mal wieder eine Enttäuschung. Die Leseprobe hatte mir richtig Spaß gemacht und versprach ein amüsantes Buch über zwei middel-aged Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Leider haben die weiteren Kapitel meine Hoffnung nicht erfüllt.
 
Das Cover:
Das Klappenbild gefällt mir überhaupt nicht, aber es bildet das passende Pendant zu Thesenfitzs Debut-Roman „Sylt und Selter“. Das geschulte Auge sieht sofort, dass das Model in die Szenerie hineingebastelt ist. Es passt mit seiner Aufmachung zu einem typischen Sommer-Sonne-Liebe-Roman, dem man von vornherein keine tiefgründigere Thematik zutraut. Darauf hätte ich vielleicht achten sollen.
 
Die Handlung:
Die zwei Omas Henrietta, ein konsumgeiles Karriereweib, und Ulla, die Verkörperung aller Esoteriktheorien, treffen auf Sylt zwangsweise zusammen und müssen alleine auf ihre gemeinsame 2jährige Enkelin Emma aufpassen. Alex, die Tochter von Henrietta und die Mutter des Schützlings, ist nach Amerika abgehauen, um ihre Ehe zu retten. Die beiden Großmütter können sich nicht ausstehen und prallen in der romantischen Kulisse des Sylters Meer und Dunenlandschaft aufeinander. Glücklicherweise werden die beiden noch von Henriettas älteren Tochter Jana unterstützt.
 
Der Sprachstil: 
Anfangs war es frech und amüsant. Mit ironischem Augenzwinkern nahm Claudia Thesenfitz die beiden unterschiedlichen Lebensanschauungen unter die Lupe. Das hatte mir sehr gut gefallen. Mit Zuname der Seiten geht aber diese anfängliche Spritzigkeit total verloren und ergeht sich nur in langweiligen Beschreibungen eines Urlaubsalltags der High-Society auf Sylt. Es wurde mehr wörtliche Rede verwendet, aber die Dialoge wurden immer stumpfer und schwacher. Allgemein ist die Sprache doch eher normal ohne besonderen Merkmalen oder herausragender Wortgewandtheit.
 
 
 
Meine Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte ist leider etwas sehr zu plötzlich aber die ersten Kapitel haben mir dennoch richtig Spaß gemacht. Mit herrlich bissiger Zunge beschreibt Claudia Thesenfitz das erste Aufeinanderprallen der beiden Welten „Konsum" gegen „Öko". Trotzdem blieb dieser „Eklat“ zwischen den beiden Personen einfach aus. Dabei hat sich das Thema auch extrem gewandelt. Versprach der Klappentext und die Leseprobe den ironisch überspitzen Konflikt zwischen Esotante und Konsumweib, ging es plötzlich um pseudo-tiefgründige Gedanken über Kinderkriegen ab 40 und Sexualität im Alter - und das leider seitenweise. Das wollte ich eigentlich nicht lesen und wäre in meinen Augen eine glatte Themaverfehlung. Was sich anfänglich als frotzelndes Schubladenschubsen anmutete eskalierte in ein reines nervtötendes Rumreiten auf typischen Frauen-Klischees. 
 
In die Personen konnte ich mich von Anfang an nicht einfühlen. Obwohl mir die übertrieben gezeichneten Charaktere anfangs gut gefallen hatten, wird es nur noch kitschig und stereotypisch. Aber eine besondere Tiefe konnte ich zu keinem aufbauen. Die Persönlichkeiten waren mir zu einseitig und klischeehaft. 
 
Ab Mitte hatte ich das Gefühl ein anderes Buch in der Hand zu halten. Die Handlung ist von Anfang an nicht wirklich spektakulär und baut dann auch immer mehr ab. Trotz Henriettas Amüsement mit dem heißesten Flirt, kann mich die Geschichte nicht hinterm Ofen hervorlocken.
 
Abhängig von den vorkommenden Personen war auch die Erzählperspektive und Länge der Kapitel sehr unterschiedlich. Zunächst beschränkte sich Claudia Thesenfitz darauf, die Kapitel auch nur in der Sicht einer Person zu schreiben. Später aber mischte sie ständig und mich hat das furchtbar gestört.
 
Die letzten Seiten habe ich gar nicht mehr gelesen. Nur noch auf die letzten Seiten geguckt. Und trara!, sie haben sich ja doch alle so lieb.

Bildgewaltige Erzählung aus der ergreifend nüchternen Realität eines Kindes!

So, und jetzt kommst du: Roman - Arno Frank
Zum Cover kann ich nur sagen, absolut passend für die 80er Jahre. Polaroid, der Inbegriff der fotografischen Freiheit mit der fetten Bauhaus-Schrift passen wie die Faust aufs Auge. Kein Schnick-Schnak, keine Schnörkel, plakativ wie die Zeit damals auch war. Ob es geschmacklich meine Vorstellung trifft sei dahingestellt, es trifft auf jeden Fall den Nerv der Zeit. Ich finde es köstlich hässlich.
 
In 4 Teilen begleiten wir den Jungen Arno mit seiner Familie auf einer Odysee durch Frankreich und Portugal. In der kindlichen Naivität eines kleinen Jungen erzählt er zunächst von seiner unbeschwerten und verklärten Kindheit, in der in allen Ecken und Winkeln noch die großen Wunder stecken. Er wird von seinem Vater mit Vorstadt-Weisheiten überschüttet, die der arme Junge für bare Münze nimmt. Getrieben von den betrügerischen Machenschaften des Vaters muss die Familie aber plötzlich von einem Ort zum Anderen ziehen, immer auf den Kosten der Kinder. Bis sie zum Schluß wieder da ankommen, wo alles begann. Die anfänglich unerschütterliche Liebe der Eltern bröckelt, genauso wie der Fassade des Felses in der Brandung, der haltgebende Anker für die Kinder. Bis sie sich zum Schluß nur noch verwahrlost und abgestumpft ihrem Schicksal ergeben müssen. 
 
Mit einer bildgewaltigen Kulisse beschreibt Arno Frank in seiner Autofiktion in sehr wortgewandter, pointierter und ironischen Sprache die Geschehnisse in der ergreifenden, sarkastischen Nüchternheit, die aus der Sicht eines Jungen entspringt. Einige Andeutungen bleiben im Raum stehen, da sie aus der Perspektive des Kindes nicht anders wahrgenommen wurden und aus seiner Erzählung heraus nicht erklärt werden können. Ein Junge, der fast bis zum Schluß den Vater auf kindlichen Charme idealisiert. Aus der Angst heraus die Eltern und die Familie zu verlieren, lassen die Kinder die Geschehnisse über sich ergehen und ziehen bedingungslos mit. 
Und bis zum Schluß klingt es fast wie eine Hommage an seinen Vater, der niemals die Familie aufgeben wollte. Es gibt keinen Vorwurf, keine Infragestellung, keine Verurteilung. 
 
Einige der Passagen wirken für mich trotz herausragender Erzählung etwas lang und zu viel. Es ist kein „Roadmovie" mit wilder Verfolgungsjagd, sondern bleibt von der Dramaturgie eher flach. Es ist vielmehr die subtile Erdrückung und Machtlosigkeit durch die bedingungslose Liebe der Kinder, die einem beim Lesen immer wieder das Herz zuschnüren lässt.
 
Der Epilog hat mich selber dann noch mal sehr ergriffen. 

Zu viel drumherum und Wiederholungen ohne feinfühliger Tief, am Ende nur noch enttäuschend.

Forever 21: Zwischen uns die Zeit - Lilly Crow
Mit diesem Buch habe ich an meiner ersten Leserunde bei lesejury.de teilgenommen. Von der Leseprobe war ich sehr angetan. Sie vermittelte eine spannende und einfühlsame Geschichte mit einer sehr interessanten Idee. Aber leider konnte das gesamte Buch nicht das halten, was die ersten Kapitel versprochen haben.
 
Durch eine große Schuld, die Ava auf sich geladen hat, muss sie als Strafe nicht nur mit ihrer Seele in andere Körper springen, sondern reist damit auch in der Zeit hin und her. Um ihre Tat zu sühnen, ist sie gezwungen in ihrem Gastkörper zwei zueinander gehörende Seelen - zwei sich liebende Menschen - zusammenführen. Für diese Aufgabe hat sie nur wenig Zeit, da ihr Peiniger sie dazu permanent mit Schmerzen antreibt und bestraft, wenn sie sich von der Erfüllung ihrer Aufgabe entfernt. Auf einer ihrer Missionen lernt sie zufällig Kyran kennen und beide spüren eine besondere Verbindung zwischen sich. 
 
Die Autorin nimmt uns in ihrer Geschichte mit in verschiedene Epochen in verschiedenen Ländern. So besuchen wir nicht nur England im 21. Jahrhundert, sondern auch Deutschland im Jahr 1907 oder auch Frankreich am Königshof im 18. Jahrhundert. Toll finde ich den Einstieg, da wir Ava beim Erwachen in einem neuen Körper begleiten, und sie sich erst mal orientieren muss. Das arme von Schmerzen gepeinigte Mädchen muss sich jedesmal in der neuen Situation plötzlich zurecht finden und begeht natürlich auch einige Fauxpas, die sie immer wieder in leichte Schwierigkeiten bringt. Ich empfinde Ava zunächst als toughes Mädchen, die nicht auf den Kopf gefallen ist. Sie versucht das Beste aus der Situation zu machen um ihre Aufgabe zu erfüllen.
 
Leider passieren diese Sprünge in die Gastkörper immer ziemlich schnell, darunter leidet die Möglichkeit eine tiefere Beziehung zu den Personen aufbauen zu können. Durch immer mehr Sprünge tauchen auch immer mehr Figuren auf, die nur oberflächlich angerissen werden können. Es wirkt nur noch gehetzt und substanzlos. Das Feingefühl für die Situation geht verloren und kann nicht mehr aufgeholt werden. Die Protagonisten Ava und Kyran irren in ihrer Umgebung herum und die Autorin hält sich dabei viel zu sehr mit der Beschreibung der Umstände auf, ohne tiefere Bewegung in die Gefühlswelt der beiden einzuhauchen. Ich konnte weder zu Ava noch zu Kyran wirklich eine tiefere Beziehung aufbauen und Vieles war mir einfach dann zu langatmig. Die letzten 30 % habe ich zeilenweise nur noch übersprungen, dabei habe ich aber nicht das Gefühl, dass ich was verpasst hätte. 
 
Die zunächst sehr kompliziert klingenden Aufgaben, die Umstände der sich zu findenden Liebenden, klären sich dann auch plötzlich - oh Wunder - meist durch eine einfache Fügung. Das ist mir zu flach und lässt mich unzufrieden zurück. Es gibt keine Überraschungsmomente, keine Plotttwists. Immer wieder tauchen abgeklatschte Zufälle auf, die bei den Haaren herbeigezogen wirken. Auch erkenne ich keine Verbindung zwischen den vielen Figuren, den Aufgaben und der eigentlichen Geschichte. 
 
Und so plätschert die Handlung vor sich hin ohne dass ich wirklich einen Spannungsaufbau oder Handlungsstrang erkennen kann. Viele Fragen werden aufgeworfen und bleiben unbeantwortet, oder ohne mir zumindest ein paar weitere Andeutungen zu geben. Die Autorin hat die Chance, eine spannende Story zu schreiben - die durch Verwicklungen und Verknüpfungen der Personen und Geschehnissen in den verschiedenen Zeiten hätte entstehen können - einfach nicht ergriffen, und uns eine Aneinanderreihung von netten aber wenig überzeugenden Geschichten geboten. Außerdem tauchen hin und wieder Ungereimtheiten in den Zeitangaben auf, die einem das Gefühl geben, dass der Plott nicht mit genügend Hingabe ausgearbeitet wurde.
 
Der Sprachstil ist flott und flüssig, in der 3. Person Präteritum erzählt und die Perspektive wechselt zwischen Ava und Kyran. Lilly Crow beschreibt die Situationen sehr bildreich und wortstark. Es gibt ein paar sehr schöne und gefühlvolle Momente, die mich auch sehr berührt haben, aber die hektische Oberflächlichkeit überwiegt und zerstört für mich das ganze Gefüge. 
 
Und das Ende? Ein krasser Cliffhanger! Das Buch bricht mitten in der Handlung ab, ohne für sich eine Gesamtheit zu bilden. Aber es reizt mich auch nicht wissen zu wollen, wie es weitergeht. Es hat mich nicht mitgerissen und ich bin vom Buch insgesamt enttäuscht.

Stilistisch nicht ganz rund und sprachlich abgehackt, Idee fantastisch mit Potenzial!

Gefangen - Die Zeitenwanderer-Chroniken - Karolyn Ciseau
Selten, dass ich bei einem Buch so hin und her gerissen bin. Geschichten über Zeitenwanderer oder Zeitspringer sind immer sehr interessant und ermöglichen auch gerade die Unterschiede verschiedener Zeitepochen hervorzuheben. Keiner weiß, wie es in der Zukunft aussieht. Und trotz vieler Forschung weiß man ja nicht wirklich, wie es damals im Mittelalter war, da wir es selber ja nicht miterlebt haben. Das macht den besonderen Reiz einer Geschichte zwischen den Zeiten auch aus.


Das Cover:
Das Cover ist schön schlicht und aufgeräumt. Keine wilden Ornamente mit mehrfarbigen Überblendungen - es gefällt mir seht gut. Der ornamentale Rahmen mit der Sanduhr passt gut zur gewählten Schriftart. Es vermittelt vor allem Sehnsucht, wie das Mädchen so in die Ferne blickt. Vögel sind ja immer Boten des Jenseits oder einer anderen Welt.


Die Handlung:
Die Geschichts- und Linguistikstudentin Alison möchte für eine Hausarbeit über Hexenverbrennungen einen Zeitsprung vom Jahr 2062 nach Irland in das mittelalterliche 14. Jahrhundert machen. Doch leider geht bei diesem Sprung etwas schief. Normalerweise bleiben die Zeitspringer unsichtbare Beobachter. Aber diesmal entdeckt ein burschikoser Mann das Mädchen, während es sich im Gerichtssaal die Teilnehmer einer Verhandlung genau studiert. Nicht nur, dass er sie am Arm packt und durch den Wald in seine Hütte verschleppt, sondern es funktioniert auch ihr Notfallknopf nicht mehr und sie kann nicht mehr in ihre eigene Zeit zurück. Sie ist gefangen im 14. Jahrhundert und ihr Entführer Gregor zwingt sie bei ihr zu bleiben, damit sie eine geheimnisvolle Prophezeiung für ihn entschlüsselt.


Der Sprachstil:
Der Einstig ist erst mal richtig holprig. Der Prolog ist zwar noch recht flüssig, doch dann gibt es immer mehr Satzaneinanderreihungen durch Komma getrennt. Ich stolperte immer wieder über ungünstige Satzkonstruktionen, die mich im Lesefluss störten und mich von der eigentlichen Geschichte ablenkten. Es wirkte eher wie ein Tatsachenbericht und die Ich-Perspektive im Präsenz machte den Bericht-Stil leider nicht besser. Ab Kapitel 7 wurde der Stil dann aber von Kapitel zu Kapitel immer flüssiger und die Satzkonstruktionen wieder einfacher, so dass ich zwar hin und wieder noch über ein paar wenige Stellen stolperte, mich aber nicht mehr so von der Erzählung ablenkte.


Der Spannungsbogen/Handlungsbogen:
Es gefällt mir sehr gut, dass gleich zu Beginn der Leser mit auf eine Zeitreise genommen wird, bei der auch noch was schief geht. Die Autorin hält sich nicht lange mit einer Einführung auf, sondern nimmt gleich den Spannungsfaden in die Hand. Nach dem Zeitsprung und der Entführung plänkelt aber die Handlung etwas dahin. Es gibt zwar die ein oder andere aufregende Stelle, kann aber die Handlung nicht wirklich vorantreiben. Ab 2. Drittel des Buches steigt der Bogen dann aber rasant an, es wird aufregend und wirklich spannend! Da kann ich wirklich mit Alison mitfühlen und selber miterleben, was ihr gerade passiert! Ganz toll! Da passt dann ach der abgehackte Sprachstil perfekt! Nach den rasanten Kapiteln wird es wieder ruhiger und zum Ende gibt es dann noch mal einen richtig prickelnden Schluss.


Die Protagonisten:
Durch den holprigen und abgehackten Schreibstil habe ich auch meine Probleme mich in die Personen richtig hineinzuversetzen. Alisons Gedanken drehen sich vor allem um das, was gerade passiert. Es gibt wenig (nur vereinzelt mal) reflektierende Momente. Es ist mir leider zu wenig Tiefe. Ab und zu denkt sie über ihre Familie und Freunde im 21. Jahrhundert nach, aber ich schaffe es nicht wirklich eine Beziehung zu ihr aufzubauen.


Gregor ist am Anfang sehr undurchdringlich und sehr kurz angebunden. Erst sehr viel später erhält der Leser durch ein paar sehr schöne persönliche Momente zwischen Gregor und Alison die Möglichkeit etwas mehr in sein Herz blicken zu können. Das hat mir sehr gut gefallen.


Die Szenerie:
Mir hat auch sehr gut gefallen, wie die Umgebung und die Szenen beschrieben sind. Hier hat die Autorin schön wortreich und anschaulich auch die weiteren beteiligten Personen und das Umfeld ausgearbeitet. Vieles konnte ich mir sehr gut vorstellen, und das fand ich richtig toll!


Dennoch fehlt mir der "Konflikt" zwischen den verschiedenen Zeitepochen. Alison ist im 21. Jahrhundert geboren und ich schätze, dass die Gepflogenheiten in 50 Jahren sich vielleicht nur geringfügig von unseren heutigen abweichen werden (wer weiß das schon?). Ich vermisse das "Aufprallen" im 14. Jahrhundert der Zeitreisenden (bisher ja nur unsichtbare Beobachterin), die plötzlich in dieser rauen mittelalterlichen Zeit mit den Personen interagieren muss. Ich hätte erwartet, dass ihr dabei viel mehr sprachliche "Ausrutscher" passieren. Oder ihr Sprachtransmitter (ein kleiner Knopf im Ohr) doch vielleicht mal entdeckt wird? Hat sie keine Angst, dass sie den Knopf vielleicht verliert oder die Batterie zu Ende geht?


Fazit:
Trotz Kritik und stilistischen Schwierigkeiten hat mich die Geschichte dann doch gepackt. Die Idee ist wirklich toll aber die Ausführung hat noch viel Luft nach oben! Insgesamt hätte ich mir die Geschichte sogar ausführlicher gewünscht! Sie war mir tatsächlich zu kurz. Einzelne Szenen hätten noch mehr ausformuliert und ausgeschmückt werden können. Trotzdem war vieles sehr schön beschrieben und bildlich dargestellt. Ja, mich interessiert auf jeden Fall, wie es weitergeht. Einige Fragen sind noch nicht geklärt, aber die Autorin hat noch weitere 6 Bände angekündigt, in denen sich diese Fragen dann auch beantwortet werden sollen.